Artikel aus PSO aktuell Heft 3/01
Die Zusammensetzung der Nahrung wirkt sich auf Entzündungsvorgänge aus. So kann der Verlauf einer Psoriasis gemildert sowie die Therapie von Haut und Gelenken unterstützt werden.
Essen und trinken muss jeder Mensch. Dabei kann er seiner Gesundheit nützen oder schaden. Das gilt auch bei angeborener Bereitschaft zur Schuppenflechte. Für ihre Behandlung gibt es nicht die „einzig richtige“ Diät, aber einige beachtenswerte Grundsätze. Darauf wies ein Presseseminar in Hersbruck bei Nürnberg hin. Dort ist das PsoriSol Therapiezentrum seit März 2001 als Modellklinik für Ernährungsmedizin anerkannt.
Alles allergisch oder was?
Der ärztliche Leiter, Prof. Ulrich Amon, wandte sich gegen ein verbreitetes Missverständnis: Allergien und nicht durch das Immunsystem bedingte Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel „spielen bei Psoriasis keine Rolle.“ Selbst Neurodermitis-Patienten mit einer Veranlagung zu solcher Überempfindlichkeit müssten keineswegs automatisch daran leiden.
Allgemein zu empfehlen sei eine „abwechslungsreiche, vollwertige Ernährung.“ Sie soll hinsichtlich der Energiezufuhr so ausgewogen sein, dass Übergewicht vermieden wird. Denn dies steigert nicht nur das Risiko anderer Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus, sondern kann den Verlauf der Schuppenflechte negativ beeinflussen. Besonders in Bereichen, wo Haut auf Haut liegt, fördern verstärktes Schwitzen und Reibung nässende Entzündungen. Zudem sind die Extrapfunde bei Psoriasis arthritis tragender Gelenke (z. B. Knie) oder der Wirbelsäule eine unnötige Last.
Obwohl immer wieder verdächtigt, hat sich Kaffee „in zahlreichen Studien als harmlos erwiesen.“ Von regelmäßigem Alkoholgenuss raten die Ernährungsmediziner dagegen ab. Er könne sowohl die Auslösung als auch die Aufrechterhaltung der Schuppenflechte stark beeinflussen. Ein Grund ist sicherlich, dass Alkohol rasch als Fett verwertet und damit Übergewicht begünstigt wird. Vor kurzem wurde eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen durch Streptokokken infolge Alkoholkonsum vermutet (vgl. PSO aktuell 1/2001, S. 12). Als weitere Erklärungsmöglichkeiten hat unsere Redaktion früher diskutiert:
Wettstreit um Enzyme
Arachidonsäure ist eine vierfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure (siehe Kasten). Sie wird ausschließlich mit tierischen Lebensmitteln, vor allem Fleischprodukten, zugeführt und vom Körper kaum zu Energie umgesetzt, vielmehr überwiegend in den Zellwänden gespeichert. Dort entstehen daraus bei Schuppenflechte vermehrt hormonähnliche Stoffe wie Leukotriene, die maßgeblich an der Entzündung von Haut und Gelenken mitwirken.
Die hierfür benötigten Enzyme können ebenso Eicosapentaensäure abbauen. Die Bezeichnung dieser Omega-3-Fettsäure verweist auf fünf (griech. penta) Doppelbindungen. Sie unterscheidet sich von Arachidonsäure also nur durch eine zusätzliche Verknüpfung im Molekül, wird aber fast gar nicht zu Anstiftern der Entzündung umgewandelt. Eicosapentaensäure, die besonders reichlich in Seefischen vorkommt, kann die Abbau-Enzyme für sich beanspruchen. Das geschieht umso mehr, je größer ihre Menge ist. In dem Maße, wie gleichzeitig weniger Arachidonsäure angeboten wird, unterbleibt deren Spaltung in schädliche Stoffwechselprodukte.
Damit sich die Verdrängung therapeutisch auswirkt, sind wahrscheinlich täglich über längere Zeit hohe Dosen der „guten“ Fettsäure nötig. Dies wird in der PsoriSol-Klinik derzeit untersucht: Schuppenflechte-Patienten bekommen Fischöl-Kapseln, die zum Schutz vor unerwünschten Sauerstoff-Reaktionen mit Vitamin E kombiniert sind.
Vegetarisch mit Fisch
Die experimentell bestätigte Theorie konkurrierender Fettsäuren bedeutet in der Praxis: