Artikel aus PSO aktuell Heft 4/01
Ein nach Organverpflanzungen eingesetzter Wirkstoff hemmt auch örtlich die körpereigene Abwehr. Aber für chronische Hautkrankheiten ist er kein Allheilmittel.
Unter dem Handelsnamen Prograf® kann Tacrolimus der Abstoßung einer transplantierten Leber oder Niere vorbeugen. Die Substanz zügelt T-Lymphozyten und von diesen weißen Blutkörperchen gesteuerte Gewebsreaktionen, ähnlich wie Ciclosporin (Sandimmun®). Im Gegensatz zu dem für die innerliche Behandlung von Schuppenflechte der Haut und Gelenke in niedriger Dosierung erprobten Medikament, lässt sich Tacrolimus obendrein äußerlich anwenden. Bei Neurodermitis wurde dies als der erste therapeutische „Durchbruch“ seit 40 Jahren gefeiert. In Japan und den USA ist dazu eine Salbe (Protopic®) mit dem Wirkstoffgehalt von 0,1 und 0,03 Prozent auf dem Mark Die deutsche Zulassung soll 2002 folgen.
Für chronische Plaque-Psoriasis sei die Salbe aber „sicherlich ungeeignet“, folgert der Kommentar in einer Fachzeitschrift aus den bisherigen Versuchen (J. Amer. Acad. Dermatol. 44, 111-113; 2001). Denn durch die dickere Hornschicht dringe der Wirkstoff zu wenig ein, um vor Ort die Abwehrvorgänge so zu regulieren, dass sich Entzündung und übermäßiges Zellwachstum nicht mehr gegenseitig anfeuern.
In der Tat war Tacrolimus nur unter abdeckendem Verband, z. B. mit Plastikfolie, etwa gleich wirksam wie ein sehr starkes Kortison. Eine natürliche Okklusion (lat. occludere = verschließen) besteht etwa in den Achselhöhlen und den Leistenbeugen, zwischen den Gesäßbacken oder unter der weiblichen Brust. In diesen Regionen, wo Haut auf Haut liegt, ist Protopic® aufgrund der besseren Aufnahme „sehr effektiv“, berichtete Prof. Mark Lebwohl (New York) bei einer Konferenz der National Psoriasis Foundation (NPF) in San Francisco. Das gelte ebenso bei Psoriasis-Herden im Gesicht, da dort die Haut dünner sei.