Artikel aus PSO aktuell Heft 4/01
Die australischen Ureinwohner schätzten es schon: Der dem Strauß verwandte Emu liefert ein Öl, mit dem sich auch moderne Pflegeprodukte empfehlen.
Der bis zu 1,80 m große Laufvogel wird in Freigehegen gezüchtet. Er hat auf dem Rücken ein dickes Fettpolster. Das daraus gewonnene Öl enthält zu 70 Prozent ungesättigte Fettsäuren, insbesondere solche mit nur einer Doppelbindung wie Ölsäure. Der Anteil zweifach ungesättigter Linolsäure in diesem Öl entspricht dem in menschlicher Haut. Deren Fett-Zusammensetzung soll überhaupt der des Emu-Produktes sehr ähnlich sein.
Eine Studie in den USA verglich das tierische mit mineralischem Öl. Ohne die Herkunft der Produkte zu kennen, wendeten sie elf gesunde Freiwillige jeweils zweimal täglich für zwei Wochen an und beurteilten die Eigenschaften nach einer Notenskala von 1 bis 5. Dabei schien das Emu-Öl kosmetisch angenehmer und besser in die Haut einzudringen. Zudem wurde die Feuchtigkeit spendende Eigenschaft günstiger bewertet
Einschätzung
Unter der Bezeichnung Emucare wird auch in deutschen Apotheken eine Pflegeserie für empfindliche und trockene Haut angeboten. Sie besteht aus Öl, Creme und Shampoo.
Es gibt eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen zur Zusammensetzung von Emu-Öl, seiner Wirkung und Verträglichkeit. Sie entsprechen aber nicht dem bei uns üblichen Standard, meint Prof. Martina Kerscher vom Studiengang Kosmetik und Körperpflege an der Universität Hamburg. Es fehlten Tests bei „Problemhaut“ und dermatologische Anwendungsbeobachtungen. Von einzelnen Patient(inn)en, denen sie Proben gegeben habe, sei der Geruch als unzumutbar empfunden worden.
Trotz dieser Einschränkungen ist nicht auszuschließen, dass jemand mit Schuppenflechte nach einem Selbstversuch das natürliche Pflegerezept der australischen Aborigines anderen Kosmetika vorzieht.