PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Artikel aus PSO aktuell Heft 1/03

 

 

Äußerliche Behandlung

Wie viel Salbe ist genug?

Ein Mittel soll man nur „kleinflächig“ verwenden, von einem anderen nicht mehr als 15 Gramm täglich. Welche Menge braucht ein Erwachsener  an einem Bein? Was benötigt ein Kind bei gleichem Befall? Alltägliche Fragen, auf die es selten klare Antworten gibt.

 

Salbe bei PsoriasisDie übliche Dosier-Vorschrift lautet: Ein- oder zweimal täglich dünn auftragen. Manchmal ist noch eine Höchstmenge angegeben, z. B. nicht mehr als 100 Gramm pro Woche. Diese Beschränkung gilt für Calcipotriol, das  künstlich abgewandelte Vitamin D3 in Daivonex® und Psorcutan®. Außerdem wurde  verlangt, damit seien vorsichtshalber maximal 30 Prozent der Körperoberfläche zu behandeln. Bei dem einmal täglich empfohlenen  Tacalcitol (Curatoderm®) sollten es „unter zehn Prozent“ sein.
Auf 20 Prozent wird die Ausdehnung in der Gebrauchsinformation von Dermoxin® begrenzt. Solche sehr starken Kortikoide (Klasse IV) hält Prof. Roland Niedner, dermatologischer Chefarzt am Klinikum Ernst-von-Bergmann in Potsdam, bloß „kleinflächig“ bis zu einer Woche für gerechtfertigt (vgl. PSO aktuell 4/2002, S. 7).
Woher weiß ich aber, wie umfangreich der betroffene Hautbezirk ist? Und welche Salbenmenge wird jedesmal einer Tube mit 30 oder 100 Gramm entnommen?

 

Von der Neunerregel ...
Bei Brandverletzungen berechnen die Ärzte das Ausmaß der verbrannten Haut nach der Neunerregel. Demnach macht der Kopf, ein Arm, ein Ober- und Unterschenkel je neun Prozent der Körperoberfläche eines Erwachsenen aus. Auf den Rumpf entfallen vorne und hinten jeweils 18 Prozent.
Bis auf seltene Ausnahmen wie psoriatische Erythrodermie oder pustelförmiger Ganzkörperbefalls tritt Schuppenflechte mit mehr oder weniger zahlreichen Herden wechselnder Größe in Erscheinung. Daher wird zur Ermittlung des Psoriasis Area and Severity Index (PASI) der prozentuale Befall jeder Körperregion einzeln geschätzt und einer Punktzahl von 1 bis 6 zugeordnet. Ein Umrechnungsfaktor berücksichtigt den relativen Beitrag von Kopf, Rumpf, Armen und Beinen. Durch Multiplikation mit dem Wert, der sich aus der Beurteilung von Rötung, Schuppung und Verdickung in diesen Bereichen ergibt, bekommt man dann die Kennziffer für Ausdehnung und Schwere der Psoriasis.
Was mit standardisierten Erfassungsbögen zu wissenschaftlich einigermaßen vergleichbaren Angaben führt, ist im Patienten-Alltag unbrauchbar. Ungeübte schätzen das erkrankte Areal meist zu hoch. Einen groben Anhaltspunkt bietet die Hand. Einschließlich der aneinander gelegten Finger und des Daumens bedeckt sie etwa ein Prozent der Körperoberfläche.

 

... zum Fingerspitzenkalkül
Die Handfläche eines Erwachsenen ist die Bezugsgröße der „Fingerspitzeneinheit“, die britische Dermatologen vorgeschlagen haben (Arch. Dermatol. 128, 1129-1130; 1992). Die FTU abgekürzte „fingertip-unit“ wird definiert als der Salbenstrang aus einer Tube mit dem Öffnungsdurchmesser von fünf Millimetern, der die Fingerkuppe bis zur Falte über dem vorderen Gelenk bedeckt.
Die so abgemessene Menge ist bei Frauen und Männern annähernd gleich. Sie wiegt etwa ein halbes Gramm und reicht für ein Gebiet,  das zwei Handflächen entspricht. Bei Cremes sind die erforderlichen Dosen geringfügig höher.
In einer späteren Veröffentlichung haben die Hautärzte an der Universität Cardiff  altersbedingte Unterschiede berechnet. Um ein Bein samt Fuß zu behandeln, braucht man zum Beispiel für ein Baby in den ersten sechs Monaten 1,5 FTU. Bei einem Fünfjährigen sind es schon doppelt so viele, und der Bedarf steigt laufend bis zu  acht Fingerspitzeneinheiten, die Erwachsene benötigen (Br. J. Dermatol. 138, 239-296; 1998).

 

Gutes Augenmaß
Ein Körperschema, das die erforderliche FTU-Zahl für Kopf und Hals, Arm und Hand, Bein und Fuß, Brust und Bauch, Rücken und Gesäß zeigt, hilft bei Psoriasis wenig. Denn die Haut ist ja gewöhnlich auch in diesen Gebieten nicht vollständig betroffen. Die Hand- und Fingerformel (4 Handflächen = 2 FTU = 1g) schärft aber den Blick, dass nicht zu viel des Guten getan und die äußerliche Therapie obendrein unnötig teuer wird.

 

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