PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Artikel aus PSO aktuell Heft 2/03

 

 

Vitamin B12

Salbenmix mit Sanddorn-Granulat

Ein populäres Buch verspricht die Wahrheit über Nährstoffe, von denen wir angeblich gar nicht genug bekommen können. Beim Stichwort Psoriasis werden die Leser leider angeschmiert.

 

Vitamin B12Sie sind unbestritten lebensnotwendig. Doch erst seitdem die Nahrung  immer mehr technisch verfremdet wird, fürchten Wohlstandsbürger, bei  Vitaminen zu kurz zu kommen. Prompt wurde als Fortschritt buchstäblich verkauft, dass man die einst in vielfältiger Mischung angebotenen Originale künstlich nachbauen kann.

 

Sparsam mit künstlichen Vitaminen
Inzwischen gibt es "vom Guten zuviel", mahnen  Hans-Ulrich Grimm und Jörg Zittlau in ihrem Enthüllungsreport "Vitaminschock" (Droemersche Verlagsanstalt 2002). Tonnenweise würden die Ersatzprodukte aus dem Labor heute Speisen und Getränken beigemengt. Ohne  die täglich aufgenommenen Mengen zu kennen, hätten die Verbraucher damit schon mehr als genug. Da  aber immer wieder, in der Regel nicht uneigennützig, vor  einer mangelhaften Versorgung gewarnt werde, schluckten gesundheitsbewusste Bürger noch eifrig Nahrungsergänzungsmittel.
Wer Obst, Gemüse, Getreide "und auch mal Fleisch oder Fisch" in "naturnaher Form" verzehrt, das wird in dem  Buch oft überzeugend belegt, kann sich die teueren Zugaben gewöhnlich sparen. Man erfährt, "warum künstliche Vitamine meistens sinnlos sind", doch als vermeintlich unschädliche "Mikronährstoffe"hoch dosiert  erhebliche Risiken und Nebenwirkungen haben können.

 

Erfolg bei leichten Entzündungen
Im 11. Kapitel verraten die Autoren, wo "Vitamine als Medizin" aussichtsreich sind: "bei leichteren Entzündungen, auch bei Krankheiten, die mit Entgleisungen im Stoffwechsel einhergehen wie Schuppenflechte..." Die überholte Vermutung einer Störung des chemischen Um- und Abbaus der aufgenommenen Nahrungsbestandteile wird zunächst für die Wirkung der Fumarsäure bemüht. Dann heißt es, dass die zur Therapie tauglichen Esterverbindungen das Immunsystem beeinflussen und daher "alles andere als harmlose Mittel" seien.
Nicht ganz korrekt ist der Hinweis auf "Präparate mit naturähnlichem Vitamin D (Calcitriol)." Die zitierten Untersuchungsergebnisse beziehen sich nämlich auf Calcipotriol, eine künstliche Abwandlung des körpereigenen Wirkstoffs, die in Daivonex® / Psorcutan® tatsächlich "ähnliche Effekte wie Therapien mit Kortison und Dithranol... bei erheblich besserer Verträglichkeit" hat.

Diese seit über zehn Jahren eingesetzte Substanz - und nicht das jetzt in Silkis® erhältliche Calcitriol - war der Vergleichsmaßstab bei dem auf Seite 203 erwähnten Test an der Universitäts-Hautklinik Bochum. Dort zeigte Vitamin B12 in einer Avocadoöl-salbe eine gegenüber Psorcutan® anfangs verzögerte, nach zwölf Wochen indes gleich gute Wirksamkeit (vgl. PSO aktuell 3/2000, S.10).

 

Salbe selber machen?
"Schon wegen ihres geringen Risikos", schreiben Grimm und Zittlau, sei die Behandlung einen Versuch wert. Außerdem könne man sich den Mix leicht selbst herstellen: Sanddorn-Granulat aus der Apotheke zu einem Pulver zerstoßen und mit einer im Kaufhaus oder in der Drogerie erhältlichen Avocadocreme vermischen. Man kann aber auch Avocadoöl und etwas Soja-Lezithin als Transportmittel verwenden.

 

 

ANGEMERKT
Die Salbe mit Vitamin B12, dem die Buchautoren eine "Chance in der Psoriasis-Therapie" geben, heißt Regividerm®. Ihre ungewöhnliche Entwicklungsgeschichte können Leser(innen) unserer Zeitschrift seit langem verfolgen (vgl. PSO aktuell 3/1999, S. 13, 3/2000, S.10 und 4/2000, S.11). Bei zwei Vorstudien in Bochum und Münster war das Präparat  einer äußerlich nicht unterscheidbaren Salbe ohne Wirkstoff deutlich überlegen und in der Langzeitanwendung chemisch verändertem  Vitamin D3 (Calcipotriol) ebenbürtig. Die klinische Prüfung an einer größeren Zahl von Patienten soll nun die von der Zulassungsbehörde verlangten Daten vervollständigen. Es wird noch etwas dauern, bis ein Fertigarzneimittel allgemein verfügbar ist. Das Hausmacherprodukt dürfte indes kein gleichwertiger Ersatz sein, da Sanddorn je nach Standort wechselnde und, so fürchtet der Regividerm®-Hersteller, nicht ausreichende Mengen an Vitamin B12 enthält.

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