PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

Startseite > Themen > Leben

Artikel aus PSO aktuell Heft 2/04

 

 

Krankheits-Aufklärung

Wie sag ich´s meinem Kind?

Eltern können ihre Psoriasis auch in der Familie nicht verbergen. Töchter und Söhne haben dazu, oft unausgesprochen, eigene oder von außen an sie heran getragene Fragen.

 

Krankheits-Aufklärung: Wie sag ich es meinem Kind?Die siebenjährige Laura weiß inzwischen, dass Mama „riasis” hat. Schließlich geht sie schon in die Schule. Da versteht man so was doch. Und „riasis” klingt viel interessanter als Schuppenflechte, findet Laura. Sie benutzt nur noch dieses Wort, als sich eine Freundin über die Flecken ihrer Mutter wundert. Ach das, sagt sie, haben halt manche Leute. Woher es kommt, können die Erwachsenen auch nicht genau sagen. Nur dass man sich nicht anstecken kann wie mit Schnupfen, das sagt auch Papa. Lauras Eltern waren bereits bei dem drei Jahre älteren Jakob ziemlich unbefangen mit seiner Neugier umgegangen. Frau B. erinnert sich, wie ihr der Kleine morgens immer zuschaute im Bad, aufmerksam, geduldig, bis sie die Herde an den Ellbogen, Knie und Unterschenkeln eingeschmiert hatte. Sieht komisch aus, gell, bemerkte sie einmal. Auf sein stummes Nicken habe sie noch hinzugefügt: „Aber es tut nicht weh und kann wieder weggehen, wenn ich die Salbe drauf mache.” Damit sei er in diesem Moment offenbar zufrieden gewesen. Später habe sie von sich aus erneut über das sichtbare Anderssein ihrer Haut gesprochen. Sie finde die Stellen zwar nicht schön, dennoch gehörten sie eben zeitweilig zu ihr. Das könne man so wenig ändern wie blaue oder grüne Augen.

 

IRGENDWANN ERKUNDIGTE sich dann Jakob: Krieg ich das später auch? Zuerst sei sie erschrocken, weil sie einen Vorwurf herausgehört habe. „Das war mein Problem. Der Junge dachte gar nicht so weit, sondern malte sich das einfach mal aus als eine von vielen Möglichkeiten des Größerwerdens. Und ihm reichte meine Antwort, dass man das nie vorhersagen könne. Genauso kommt es ja oft völlig überraschend wie bei mir, denn in meiner Verwandtschaft war niemand mit Psoriasis bekannt.”

Unsinnig wäre es gewesen, auf dieser Entwicklungsstufe über Vererbung zu reden oder gar Zahlen für das Erkrankungsrisiko zu nennen. Es soll 10 bis 30 Prozent betragen, wenn bloß die Mutter oder der Vater betroffen ist, und sich bei beiden erkrankten Eltern verdoppeln. Doch solche statistischen Angaben können sogar die wenigsten Erwachsenen richtig deuten als Wahrscheinlichkeitsberechnungen, die in Bezug auf den Einzelfall kaum etwas bedeuten.

 

IN JUNGEN JAHREN sollte Kindern vor allem vermittelt werden, dass der Elternteil, bei dem sie etwas von der Krankheit mitbekommen, nichts Schlimmes hat. Mit zunehmendem Alter darf man sie durchaus teilhaben lassen an seinen Gefühlen, ohne sich voll Selbstmitleid über das ungerechte Schicksal zu beklagen.

 

WER WEGEN DER SCHUPPENFLECHTE wütend oder traurig ist, sich ärgert, wie stark sie manchmal den Alltag beeinträchtigt, kann trotzdem ein überzeugendes Beispiel dafür geben, dass die Krankheit nicht das ganze Leben bestimmt. Je besser es Eltern gelingt, sie als Teil von sich anzunehmen, desto weniger müssen Kinder fürchten, in dieser Hinsicht ihr Ebenbild zu werden. Schrecklicher als das eines Tages vielleicht doch offenbar werdende Erbe ist ein Familienklima, in dem die auf den Nachwuchs übertragenen Ängste und Schuldgefühle unterschwellig ständig als Drohung wirken. Andererseits bieten betroffene Eltern durch ihren eigenen Bewältigungsstil zugleich ein Lernmodell für den Ernstfall. Offen als Menschen mit Schuppenflechte auftretend, können sie ihre Kinder obendrein vorbereiten auf gesellschaftliche Vorurteile, die diesen bei Schul-oder Spielkameraden begegnen. Die Erfahrung, dass nichts zu verbergen ist, erspart ihnen, sich für Mutter / Vater zu schämen oder sie hilflos in Schutz zu nehmen, wenn Gleichaltrige über deren Aussehen tuscheln. Bei solchen Gelegenheiten fordern Laura und Jakob die anderen ungeniert mit ihrem Wissensvorsprung heraus: Ob Sie überhaupt eine Ahnung von „Pso”, „riasis” oder Schuppenflechte hätten? Sind die Lästerer damit noch nicht zum Schweigen gebracht, laden sie die Kinder von Frau B. einfach ein, sich von Mama doch einmal erklären zu lassen, was mit ihrer Haut los sei.

 

MAG ES NICHT IMMER so reibungslos klappen – da eine chronische Hauterkrankung die ganze Familie und ihr Umfeld einbezieht, muss über sie gesprochen werden. Wie das am besten geschieht, hängt von dem je nach Alter unterschiedlichen Informationsbedarf und Aufnahmevermögen ab. Die Eltern sollten das Gespräch in Gang bringen, sich dabei aber von den Kindern leiten lassen.

 

© PSO aktuell 2004

© PSO aktuell 2010 Sitemap | RSS | Impressum | Kontakt