PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

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Artikel aus PSO aktuell Heft 3/04

 

 

Interferenzstrom

Eine Therapie auf dem Abstellgleis?

Vor einigen Jahren wurde Interferenzstrom als „die” Neuerung bei der Behandlung von Psoriasis gepriesen. Mittlerweile ist es erstaunlich still geworden um die Methode. Warum? Befragte Ärzte und Hersteller, die an der kurzen Boomphase beteiligt waren, antworten: Es fehlte schlichtweg das Geld, um die Methode zu etablieren.

 

Im Jahr 2000 hatte eine Pilotstudie an der Universitäts-Hautklinik Mannheim große Hoffnungen geweckt. Allem Anschein nach konnten hartnäckige Beschwerden bei elf von zwölf Patienten mit schwerer Schuppenflechte an den Händen erheblich gebessert werden. Und das nach nur dreimonatiger Therapie. Die Ergebnisse erregten öffentliches Aufsehen Den Forschern habe dieser Medienrummel überhaupt nicht behagt, berichtet Dr. Armin Philipp, der damals an der Mannheimer Hautklinik die Studie begleitete. Denn ihnen war wohl bekannt, dass nur ausgewählte Patienten aufgenommen und diese dann mit großem Aufwand möglichst optimal behandelt wurden.

Im Alltag sieht die Sache jedoch etwas anders aus: Zwar sind täglich nur zwei mal zehn Minuten Anwendung nötig, aber schon das wird vielen Patienten schnell lästig. Entsprechend fällt der Therapieerfolg bei der Heimbehandlung geringer aus.

 

DENNOCH HAT NACH Einschätzung von Dr. Philipp etwa die Hälfte aller Patienten, die an der Mannheimer Hautklinik außerhalb der Pilotstudie mit Interferenzstrom behandelt wurden, von der Therapie profitiert. Ihr Pflegebedarf verminderte sich spürbar. Wenn nach dem Abheilen der Hautveränderungen eine Behandlungspause eingelegt wurde, hielt der erreichte Zustand ein halbes bis dreiviertel Jahr an. Die dann erneut begonnene Therapie führte wieder zum Erfolg.

Die Möglichkeiten der Methode hätten eigentlich in einer Gemeinschaftsstudie an mehreren Kliniken überprüft werden sollen. So weit kam es leider nie, erklärt Dr. Philipp; diese Erprobung sei an der Finanzierung gescheitert.

Die Hersteller der Interferenzstrom-Geräte, etwa die Karlsruher Nemectron GmbH, sahen sich nicht in der Lage, eine umfangreiche Untersuchung zu unterstützen.Erschwerend kam hinzu: Der verantwortliche Studienleiter Prof. Ernst Jung verließ Alters halber die Mannheimer Hautklinik, die Forschergruppe löste sich auf. Infolgedessen konnte auch die bereits begonnene Vergleichsstudie zwischen einer Vitamin- D-Salbe und der Interferenzstrom-Therapie bis heute nicht fertiggestellt werden.

 

ZUR ZEIT WIRD DIE METHODE nach Angaben der Oberärztin Frau Priv.- Doz. Christiane Bayerl im Mannheimer Hautklinikum nicht mehr angewendet. Der Grund: Ohne Anerkennung durch die zuständigen Gremien übernehmen gesetzliche Krankenkassen die anfallenden Kosten nicht. Dr. Rolf Klingler von der Nemectron GmbH bedauert, dass das Interesse an der Interferenzstrom-Methode im Augenblick gegen Null geht. Nur Mikrowellen und Ultraschall seien zur Zeit in der physikalischen Therapie gefragt. „Bedauerlich”, findet dies auch Dr. Philipp, „denn so gerät eine einfache und nebenwirkungsarme Therapieform in Vergessenheit.” Philipp, der heute als niedergelassener Dermatologe arbeitet, ist von ihrer Wirksamkeit nach wie vor überzeugt.

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