PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Artikel aus PSO aktuell Heft 3/04

 

 

Therapie - Anwendung

Ihr Beitrag zum Erfolg

Die verordnete Behandlung mag noch so wirksam sein. Sie hilft wenig, wenn jemand von ihr nicht vorschriftsmäßig Gebrauch machen kann oder will. Darüber offen zu reden, beugt Enttäuschung und Geldverschwendung vor.

 

Anwendung-Therpie: Ihr Beitrag zum ErfolgDie Fachleute nennen es Compliance. Das englische Wort umschreibt die Bereitschaft des Kranken, mit dem Arzt zusammenzuarbeiten. Dies darf man aber nicht einseitig deuten als Zuverlässigkeit beim Befolgen der medizinischen Anweisungen. Es gehören immer zwei dazu, die sich verständigen, was auf welche Weise zu erreichen ist. Der wissenschaftlich gesicherte Nutzen einer Therapie gewährleistet noch lange nicht, dass ihn der Einzelne an sich erfährt. Er oder sie muss den Bedingungen zustimmen, unter denen etwa eine Salbe mit Calcipotriol das angestrebt Ergebnis gezeigt hat, und den Wirkstoff in Daivonex ® / Psorcutan® zweimal täglich auftragen, nicht bloß abends.

 

WER SCHWER AUS DEM BETT kommt, darum immer erst in letzter Minute zum Zug hetzt, sollte lieber gleich sagen, dass regelmäßige Behandlung morgens vor der Arbeit unwahrscheinlich ist. Bei Vitamin- D-Präparaten böte sich in diesem Fall das nur einmal pro Tag empfohlene Tacalcitol (Curatoderm®) an. Zu bedenken wäre dann allerdings eine möglicherweise verminderte Wirksamkeit. Wenn jemand trotzdem schnell einen ausgeprägten Rückgang der Erscheinungen möchte, ist die Kombination mit einem starken Kortison in Daivobet®/Psorcutan® Beta zu erwägen. Sie hat sich, ebenfalls einmal täglich angewandt, in Vergleichsuntersuchungen als überlegen erwiesen.

Bei Psoriasis sind Salben meist intensiver als andere Zubereitungsformen, da sie wegen des höheren Fettgehalts die Hornschicht aufweichen und ähnlich wie ein abdeckender Verband das Eindringen der Wirkstoffe fördern. Nach dem Einschmieren glänzt die Haut jedoch in sichtbaren Regionen, unter den Kleidern stört der klebrige Film. Ist man auf diese Nachteile nicht vorbereitet, wird die verschriebene Salbe deshalb womöglich zu selten benutzt. Eine Creme mit dem gleichen Wirkstoff wäre zwar schwächer, dafür kosmetisch angenehmer, was eher den reguläre Gebrauch gewährleistet.

Obwohl die Experten aus ihrer Sicht die beste Lösung für das jeweilige Problem vorschlagen, kann sie nicht immer befriedigend umgesetzt werden. Dies gilt besonders bei der weit verbreiteten Kopfhaut-Psoriasis. So effektiv die zu ihrer Therapie verfügbaren Mittel und Methoden sind, so schwierig lassen sie sich im Alltag oft handhaben. Nicht minder wichtig als das richtige Rezept ist also eine ausführliche Gebrauchsinformation. Dass und auf welche Weise die Schuppen entfernt werden, wie Kortison und andere Arzneien an den erkrankten Stellen optimal die Entzündung beeinflussen, versteht sich zum Beispiel keineswegs von selbst.

 

ZU KLÄREN IST VORHER AUCH, was man von der jeweiligen Therapie tatsächlich erwarten kann. Selbst wenn eine Salbe / Creme in der angeratenen Menge und Häufigkeit aufgetragen, die Tablettendosis pünktlich eingenommen wird, UV-Bestrahlung oder Eigeninjektion eines Biologics wie vorgeschrieben erfolgen, verschwinden die Symptome Patient muss, mal mehr, mal weniger, Geduld haben. Das gehört leider nicht zu den Tugenden, die unser hektischer Lebensstil fördert. Ärzte, die keine Zeit zum Zuhören und Erklären haben, bestärken stillschweigend falsche Hoffnungen. Infolgedessen enttäuscht, hören die Patienten zu früh mit der Behandlung auf und beklagen deren Versagen, das in Wahrheit mangelnder Kommunikation zuzuschreiben ist.

 

EIN OFFENES GESPRÄCH, in dem sich beide Partner der gemeinsamen Sache nähern, vermittelt nicht bloß die sprichwörtliche Weisheit: Gut Ding will Weile haben. Das therapeutische Ziel muss genauso ein Thema sein. Denn Wunsch und Wirklichkeit klaffen nicht selten weit auseinander. Kontrollierte Studien bescheinigen Medikamenten, die Krankheitszeichen nach den gewählten Kriterien um soundso viel Prozent vermindern zu können. Höchstens ein kleiner Teil der Versuchsteilnehmer wird völlig oder überwiegend erscheinungsfrei. Jeder sollte darum mit sachkundiger Hilfe des Arztes erkennen, was im normalen Leben möglich und je nach individuellem Bedürfnis nötig ist.

 

WIE MAN NEUERDINGS sogar beim Wetter zwischen gefühlter und gemessener Temperatur unterscheidet, so finden Betroffene ihren momentanen Zustand schlimmer oder geringfügiger, als ihn Unbeteiligte einschätzen. Das hängt einerseits von Persönlichkeitszügen ab, die sich wenig verändern lassen. Berühmtes Beispiel: Ein Pessimist sieht ein halb leeres Glas, das für den Optimisten halb voll ist. Andererseits spielt die Art der Krankheitsverarbeitung eine Rolle. Dabei kann man allein und in Gruppen ohne oder mit professioneller Anleitung durchaus lernen, sich gelassen darauf einzustellen, dass kein Wundermittel alles im Nu (und tunlichst für immer) wegzaubern wird.

Ist die Psoriasis-Bereitschaft grundsätzlich als zu einem gehörig angenommen, mag der Psoriasis Area and Severity Index (PASI) für Ausdehnung und Schwere der Schuppenflechte noch längst nicht auf Idealwerte nahe Null gesunken sein. Dennoch genügt das Ergebnis, weil der Preis einer fortgesetzten Therapie subjektiv zu hoch wäre. Beansprucht sie doch Zeit und Aufmerksamkeit, die man lieber wieder erfreulicheren Dinge widmen möchte. Das gelingt umso eher, je mehr Restbefunde jemand für erträglich hält. Umgekehrt stören diese desto stärker, je weniger der Einzelne seine Gedanken und Gefühle von der Krankheit lösen kann. Sie droht ihn zu überwältigen und muss, um die Gefahr zu bannen, bis zum letzten Fleck beseitigt werden. Die damit verbundene Einschränkungen sind unter solchen Umständen das kleinere Übel.

 

WO DIESER DEN NUTZEN einer Behandlung überschätzt, bauscht jene ihre Schädlichkeit unverhältnismäßig auf. Berichte von Leidensgefährten oder alle die Nebenwirkungen im Beipackzettel können mitunter so abschrecken, dass man lieber auch auf die versprochene Wirkung verzichtet. Übertriebene Ängste sind stets ein Warnsignal, dass über eine Therapie nicht angemessen aufgeklärt wurde. Wobei der Doktor nicht bloß medizinisch wie menschlich passende Antworten, sondern dem Patienten auch die Chance geben muss, die ihn bewegenden Fragen zu stellen. So lässt sich in einem wechselseitigen Lernprozess herausfinden, was am ehesten Erfolg verspricht, welche Risiken und Unannehmlichkeiten man dabei in Kauf nehmen muss und ob der Behandlungsplan eingedenk der persönlichen Lebenssituation realistisch ist.

 

Dr. Ina Schicker

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