PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Artikel aus PSO aktuell Heft 3/04

 

 

Ernährung

Wann lohnt sich Verzicht auf Getreide?

Schwedische Forscher vermuten seit langem einen Zusammenhang zwischen Psoriasis und Unverträglichkeit von Klebereiweiß. Bei positivem Bluttest kann eine Diät der Haut gut tun.

 

Getreide bei Schuppenflechte?Vor zehn Jahren wurde auf die Veröffentlichung von Dermatologen der Universität Uppsala in einer britischen Fachzeitschrift hingewiesen. Die Überschrift fragte: „Besser brotlos?” (PSO aktuell 1/1994, S.9). Sechs Jahre später kamen wir auf das Thema zurück, als die Gruppe um Dr. Gerd Michaelsson über die Erfolge mit einer entsprechenden Ernährungsumstellung berichtete. Der inzwischen emeritierte Dermatologie- Professor erläuterte nun in einem Interview mit dem Magazin der nordamerikanischen Selbsthilfeorganisation (Psoriasis Advance Juli/August 2004), welche Bedeutung die schwedischen Befunde haben.

 

GLUTEN IST DAS IN GETREIDE vorkommende Klebereiweiß. Es besteht etwa zur Hälfte aus Prolaminen, durch die das Mehl backfähig wird. Gliadin heißt eine dieser Verbindungen in Weizen und Roggen. Sie ruft bei erblich bedingter Überempfindlichkeit eine Abwehrreaktion hervor, was zu schweren Veränderungen der Dünndarmschleimhaut führen kann. Als Folge davon ist die Aufnahme von Nährstoffen einschließlich Mineralien und Vitaminen ungenügend. Darauf bezieht sich die aus dem Griechischen stammende Krankheitsbezeichnung im Säuglings- und Kindesalter: Zöliakie, „an der Verdauung leidend”. Bei Erwachsenen spricht man (englisch) von einheimischer oder nichttropischer Sprue.

 

DIE MEISTEN MENSCHEN mit Schuppenflechte haben keine Gluten-Unverträglichkeit, betont Dr. Michaelsson. Antikörper gegen Gliadin deckten die schwedischen Studien in 16 Prozent der Fälle von Plaque-Psoriasis auf. Man habe jedoch nie solche Patienten gefunden, bei denen früher eine Zöliakie diagnostiziert worden sei. Wahrscheinlich trete aufgrund der dann notwendigen Diät die Schuppenflechte entweder gar nicht in Erscheinung oder heile ab. Auf die Arthritis psoriatica habe eine glutenfreie Ernährung nicht den gleichen Effekt. Denn Antikörper würden zwar ebenso häufig nachgewiesen, bei vier von hundert dieser Patienten mit Gelenkbeteiligung sei aber vorher bereits Zöliakie bekannt gewesen. Eine besondere Rolle scheint die Immunreaktion auf das Getreide-Eiweiß für die Psoriasis palmoplantaris zu spielen. 20 Prozent der Betroffenen mit hartnäckigen Pusteln an Handinnenflächen und Fußsohlen wiesen Antikörper gegen Gliadin auf. Die zuvor unentdeckte Intoleranz, so Michaelsson, mache sich nicht durch Darmbeschwerden bemerkbar. Bestätigten Laboruntersuchungen den Verdacht einer „stillen Zöliakie”, würden die Hautsymptome nach Gluten- Verzicht meist sehr gut gebessert und mit der Rückkehr zur üblichen Ernährung oft wieder schlimmer. Manche Patienten könne allein die Diät weitgehend oder vollständig von Psoriasis-Erscheinungen befreien. In dem zuerst beobachteten Fall dauere dies schon 25 Jahre an.

 

 

EingeschÄtzt

Wenn eine Gluten-Überempfindlichkeit als Einflussfaktor bei ausgeprägten und schwer zu behandelnden Hauterscheinungen in Betracht gezogen wird, kann die Suche nach diagnostischen Merkmalen sinnvoll sein. Sind sie vorhanden, empfiehlt sich, versuchsweise einige Wochen lang Brot, Cornflakes, Kuchen, Pizza, Nudeln etc. zu meiden. Eine mögliche Gliadin-Quelle ist überdies Bier, zu dessen Herstellung außer Gerste noch Roggen und Weizen verwendet wird. Einschlägige Informationen findet man z. B. unter www.dzg-online.de oder www.ernaehrung.de/tipps/zoeliakie.

 

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