PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Artikel aus PSO aktuell Heft 4/04

 

 

Biologics

Was Patienten berichten

Von Zellen hergestellte Moleküle sollen gezielt in die bei Psoriasis vermutete Störung des Immunsystems eingreifen. Ihr Nutzen wird durch wissenschaftliche Studien ermittelt. Dabei sind Betroffene nur statistische Größen. Sie haben aber ein entscheidendes Wort mitzureden, wenn sich die teueren Therapien im Alltag bewähren müssen.

 

Seit nunmehr 13 Jahren begleitet PSO aktuell Menschen mit Schuppenflechte. Deren Behandlungsmöglichkeiten sind währenddessen wesentlich erweitert worden. Mag nicht alles so gut sein, wie es die Pharmaindustrie verspricht, kann man mit wachsender Auswahl den Einzelnen und ihrer Krankheit doch eher gerecht werden.

 

BiologicsZur äusserlichen Anwendung kamen zum Beispiel hinzu: Calcipotriol als künstlich verändertes Vitamin D (1992), dem Tacalcitol (1996) und Calcitriol (2000) folgten. Ebenfalls 1992 wurde der schulmedizinisch geprüfte homöopathische Pflanzenextrakt von Mahonia aquifolium als Salbe eingeführt. 1997 konnte mit Tazaroten erstmals ein von Vitamin A hergeleitetes Retinoid lokal verabreicht werden. Und selbst bei den noch immer am häufigsten verschriebenen Kortisonpräparaten gab es Fortschritte, die ihren Gebrauch sicherer machten, etwa die Wirkstoffe in Ecural® und Advantan®. Ihnen bescheinigte die Deutsche Dermatologische Gesellschaft 2003 den höchsten therapeutischen Index (TIX), der ein Maß für die erwünschte im Verhältnis zur unerwünschten Wirkung ist. Reicht die örtliche (topische) Behandlung nicht aus, kann sie durch die verschiedenen Arten der Lichttherapie ergänzt werden. Auch über ihre Optimierung war immer wieder zu berichten. Mal ging es um die Vorteile des UVB Schmalspektrums im Vergleich zu Breitband-Geräten oder der Bade-PUVA gegenüber einer UVA-Bestrahlung nach Einnahme von Psoralen. Mal wurde das Pro und Contra der nicht als Kassenleistung anerkannten Balneo-Fototherapie diskutiert, mal gefragt, was der auf die Herde konzentrierte Excimer-Laser leistet und wo seine Grenzen sind.

 

AKTUELLE ANLÄSSE boten der Redaktion überdies die 1993 und 1994 unter den Firmennamen Neotigason®, Sandimmun ® und Fumaderm® auf den Markt gebrachten Präparate zur innerlichen (systemischen) Therapie. Bis dahin war bei ausgedehntem und schwerwiegendem Befall hauptsächlich Methotrexat (MTX) verfügbar. Zumal wenn gleichzeitig eine fachsprachlich als Arthritis psoriatica bezeichnete Gelenkentzündung besteht, ist der altbekannte und obendrein sehr billige Wirkstoff unverzichtbar. Er darf allerdings manchmal gar nicht oder höchstens befristet angewandt werden. Die übrigen über die Blutbahn im Körper verteilten Medikamente haben gleichfalls ihre Gegenanzeigen und Unverträglichkeiten. Sie können wechselnde Körperfunktionen beeinträchtigen. Zudem reichen die Effekte oft nicht aus, ohne dass sich das Ergebnis im Einzelfall vorhersagen lässt.

 

NACH SCHÄTZUNG DER FACHLEUTE wird bei uns höchstens ein Sechstel der rund 300 000 mittelschwer bis schwer an Plaque-Psoriasis leidenden Patienten systemisch behandelt. Das Haupthindernis sind befürchtete Risiken, die offenbar kein eindeutiger Nutzen aufwiegt. Dabei kann nicht allein die wissenschaftlich anhand des Psoriasis Area and Severity Index (PASI) berechnete Rückbildung der Symptome maßgeblich sein. Vielmehr zählt aus Sicht der Patienten genauso, wie viel Zeit und Mühe etwas beansprucht, ob damit häufige Arztbesuche, Klinikaufenthalte oder andere Unannehmlichkeiten verbunden sind. Derartige Belastungen mindern die Lebensqualität und gefährden obendrein den Erfolg, da eine Therapie nicht vorschriftsmäßig angewandt oder abgebrochen wird.

 

IN 30 BIS 50 PROZENT deckten einschlägige Untersuchungen bei Psoriasis solche fehlende „Compliance” auf (vgl. PSO aktuell 3/2004, S. 24). Darin schlägt sich die Unzufriedenheit der Betroffenen nieder, die subjektiv keinen Gewinn von einer trotzdem Kosten verursachenden Behandlung haben. Sofern dies nicht mit schwerwiegenden Nebenwirkungen erkauft wird, wäre es daher ein großer Vorteil, wenn künftig einfach zu verabreichende Injektionen ein- oder zweimal wöchentlich genügten. Eiweißmoleküle, die mittels gentechnisch dazu befähigter Zellen erzeugt werden, setzen in die Praxis um, dass Schuppenflechte heute theoretisch als Immunerkrankung mit einem bestimmten Muster an Botenstoffen gilt. Daraus ergeben sich mehrere Angriffspunkte, von denen einige inzwischen als aussichtsreich bestätigt wurden. Da lediglich an bestimmten Stellen die fehlgeleitete Abwehrreaktion verändert wird, sind „Streueffekte” auf lebenswichtige Organe wie Leber, Nieren oder Knochenmark nicht zu erwarten und Störungen der Kindesentwicklung während der Schwangerschaft unwahrscheinlich. Verbieten sich aus diesen Gründen herkömmliche Systemtherapeutika, könnten Biologics eine Alternative sein. Ebenso zieht sie eine Arbeitsgruppe der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Betracht, wenn die bisherigen Therapien versagen oder ungenügend sind.

Obwohl die neuen Mittel selbst dann noch helfen können, wird damit auch bloß ein mehr oder weniger großer Anteil weitgehend erscheinungsfrei. Er schwankt, je nach Wirkstoff, Dosierung und Messmethode, zwischen knapp 30 und etwa 80 Prozent. Es fehlen aber verlässliche Kriterien, wer auf welche Therapie am besten anspricht. Die Wirkung etwa von Remicade® und Raptiva® ist recht bald zu erkennen. Bei Enbrel® und vor allem bei Amevive® zeigt sie sich später. Unterschiede bestehen darüber hinaus hinsichtlich Ausmaß und Dauer der erzielten Besserung. Kehren die Symptome nach dem Absetzen des Medikaments fast so schnell wieder, wie sie damit verschwinden, und sind dann womöglich schlimmer als zuvor, wäre eine Erhaltungstherapie notwendig. Diese darf allerdings der Gesundheit nicht mehr schaden als die Krankheit, vor der sie bewahren soll.

 

DIE DERZEIT ERPROBTEN Wirkstoffe haben sich als relativ sicher erwiesen. Indes sind die Erfahrungen noch zu beschränkt, als dass die Langzeit-Unbedenklichkeit endgültig zu beurteilenwäre. Desgleichen muss offen bleiben, inwiefern der Krankheitsverlauf dauerhaft günstig beeinflusst wird, also Rückfälle seltener und schwächer vorkommen, sobald die gespritzten Moleküle eine unter Umständen über Monate anhaltende Rückbildung der Erscheinungen eingeleitet haben. Dass die europäische Zulassungsbehörde EMEA (European Agency for the Evaluation of Medicinal Products) in diesem Herbst zwei der so genannten Immunmodulatoren für die Behandlung der Schuppenflechte und noch eine biotechnische Arznei bei Gelenkbeteiligung zum Vertrieb freigegeben hat, feierten Pressemitteilungen als „Beginn einer neuen Ära” und „Paradigmenwechsel”.

 

DERLEI WERBESPRÜCHE erwecken den Eindruck, früher entwickelte Mittel und Methoden seien veraltet oder sogar überflüssig. Die klinischen Studien, in denen sich die Hightechmedikamente zunächst ausschließlich mit einer Scheinbehandlung (Placebo) messen mussten, ergaben freilich bestenfalls den Wirkungsgrad etablierter Systemtherapien. Wenn deren Leistungsfähigkeit bereits erschöpft, die Anwendung medizinisch ausgeschlossen oder unzumutbar ist, wird den Innovationen unbestritten eingeräumt, individuell die letzte Rettung zu sein.

Darüber hinaus, so betonte Prof. Wolfram Sterry, Direktor der Universitäts- Hautklinik an der Charité, während eines Symposiums zur Einführung von Raptiva® in Berlin, könnten Biologics durchaus bei einzelnen Patienten gleich als „bestmögliche Therapie” erwogen werden. „Man braucht nicht vorher sämtliche Optionen durchlaufen zu haben.” Für Prof. Matthias Augustin (Hamburg) hat eine verbesserte Lebensqualität stets Vorrang gegenüber den Kosten. Dennoch sei beispielsweise Raptiva® „kein Allerweltsmedikament”. Gerade wegen des hohen Preises müssten die fachlich zuständigen Dermatologen sorgfältig darauf achten, dass diese Therapie jenen zugute komme, die ihrer dringend bedürften.

 

Um alle sonstige Maßnahmen ersetzen zu können, sind die von lebenden „Fabriken” hergestellten Produkte nicht nur zu teuer. Selten lassen sich die sichtund spürbaren Krankheitsprobleme wenigstens zeitweise sozusagen wegspritzen. Meist wird dies einer von vielen Lösungsvorschlägen sein. So wäre künftig zu prüfen, welchen Stellenwert die Biomoleküle allein oder in Kombination mit verschiedenen Therapieansätzen haben. Das ist Aufgabe der Experten, die sich zu dieser Frage in wissenschaftlichen Zeitschriften, Büchern und Kongressvorträgen äußern. Die hier zu Wort kommenden Patienten schildern ihre persönlichen Erfahrungen, die keinen Anspruch erheben, allgemein gültig zu sein. Dennoch wird manches erkennbar, was zu einer realistischen Einschätzung beitragen kann.

 

KATHARINA OSTLER

hat seit der Kindheit schon Psoriasis. Zwischen 30 und 40 war es etwas besser, ab den Wechseljahren bekam sie „ganz schlimm pustulöse Schuppenflechte” überall, nicht nur an Handinnenflächen und Fußsohlen. Drei Aufenthalte am Toten Meer haben ihr jedes Mal „super geholfen”, doch nicht lange angehalten. Versucht wurde außerdem eine Klimatherapie in Davos. Ciclosporin habe ebenso wie Acitretin (Neotigason ®) „nichts gebracht”. Methotrexat sei unverträglich gewesen. So musste sie Kortison zum Teil in hohen Dosen einnehmen, um die Entzündung mit Eiterbläschen am ganzen Körper zurückzudrängen.

Wegen ihrer Gelenkbeteiligung war Katharina Ostler mehrfach in der Rheumaklinik Oberammergau gewesen, wo schon von Enbrel® gesprochen wurde. Im Mai 2004 erhielt sie in der Universitäts-Hautklinik München eine Infusion Infliximab (Remicade®). 14 Tage später begann sie die Behandlung mit Enbrel®. Nach der zweiten oder dritten Spritze veränderte sich die durch Kortison dünn und brüchig gewordene Haut, die Pusteln verschwanden. „Es ist ein Wunder, ich hatte noch nie so eine schöne Haut, konnte im August erstmals zum Schwimmen. Beim Einkaufen werde ich angesprochen von Leuten, die mich seit Jahren anders kennen. Und was es allein bedeutet, wenn ich täglich duschen kann, ohne dass die wunde Haut weh tut, kann sich jemand, der das nie erfahren hat, kaum vorstellen.” Das Mittel sich selbst unter die Haut zu verabreichen, ist für sie kein Problem. Anfangs hat ihr Mann geholfen, als Diabetiker kennt er sich damit ja aus. Zunächst sei die Dosis zweimal wöchentlich gegeben worden, jetzt jeden vierten Tag. „Aber an Absetzen ist nicht zu denken.”

 

PETER BORCHERT,

Jahrgang 1937, bekam in der Pubertät die ersten Psoriasis-Erscheinungen. Sie waren lange, wie bei seiner Mutter, nur gering ausgeprägt. Doch nach einer Kur in Bad Rappenau, erinnert er sich, sei es ganz arg geworden.

In der Studie mit Enbrel® war Borchert zunächst offenbar der Placebo-Gruppe zugeteilt. Als er nach drei Monaten das richtige Mittel spritzte, wurde es besser. Die Behandlung endete am 14. September. Drei Wochen später sagt er: „Mir geht´s super. Ich brauche keinerlei Medikamente”. Irgendwelche unerwünschten Begleiterscheinungen traten nicht auf, außer dass die vorher grauen Haare teilweise wieder schwarz wurden, was sich niemand erklären konnte. „Ich würde die Behandlung sofort wieder machen.”

 

ANDREAS SCHODER

ist vorzeitig berentet worden. Die Schuppenflechte zeigte sich bei dem 61-Jährigen etwa 1984 mit kleinen roten Stellen, die größer wurden. Dann bildeten sich schuppige Plaques an den Ellbogen und anderen typischen Regionen, zudem war die Kopfhaut befallen, und „die Nägel wurden immer schlimmer.” Die schon vorher bestehenden Gelenkbeschwerden seien zuerst nicht als Zeichen der Psoriasis erkannt worden. Salben, Bade-Lichtbehandlung oder Salzwasser und Sonne am Meer hätten immer nur kurzfristig Besserung gebracht. Aber Tabletten, „die unzählige Nebenwirkungen haben”, lehne er ab. Ein Präparat mit Extrakt von Teufelskralle, das ihm früher verschrieben worden sei, müsse nun auch selber bezahlt werden. „Und es hilft ja gegen massive Gelenkbeschwerden nicht so.” Vor zwei Jahren begann er als Proband an der Münchner Uni-Hautklinik mit der Enbrel®-Behandlung. Wenn er das richtige Mittel bekam, gingen die Hauterscheinungen deutlich zurück, die Schmerzen und Schwellungen verschwanden. Spritzte er, ohne es zu wissen, bloß Kochsalzlösung (Placebo), verschlechterte sich der Zustand ziemlich rasch wieder. Er brauche allerdings eine höhere Dosis als üblich, da er 105 kg wiege. „Wenn ich das Mittel weiter bekäme, würde ich es nehmen. Denn es hatte bei mir überhaupt keine Nebenwirkungen. Und die Lebensqualität ist doch eine ganz andere.” Die nach dem Absetzen von Enbrel® verbliebenen kleinen Stellen behandelt er jetzt mit Psorcutan®. Falls der Zustand wieder sehr viel schlechter wird, könnte er, wenn die dreimonatige „Auswaschphase” beendet ist, an einer Studie mit einem neuen Mittel teilnehmen. Die Aussicht findet der Patient vor allem wegen seiner Gelenkbeschwerden beruhigend.

 

MANFRED GUTSMUTHS

bekam die Schuppenflechte, als er 14 war. Sie wurde äußerlich behandelt, vor allem mit Kortisonpräparaten wie Diprosone ®, Diprosalic®. Später war er auch mal im Krankenhaus und hat Tabletten geschluckt. „Davon bekam ich Haarausfall.” Das ohne vorherige Erfahrung mit der Wirkung von UV-Licht angeschaffte Heimbestrahlungsgerät habe „wenig gebracht.”

Ab 2002 spritzte sich Gutsmuths das von Hautärzten der Berliner Charité erprobte Enbrel®. Er habe keinerlei Nebenwirkungen bemerkt und sei nach sechs Monaten „völlig erscheinungsfrei” gewesen. Im September 2004 war die Behandlung zu Ende. Man hat ihm die Teilnahme an einer neuen Studie vorgeschlagen. Davor ist allerdings eine vierteljährliche Pause ohne Medikamente nötig. Das würde der heute 54- Jährige riskieren, wenn er dann ein ebenso gut wirksames Mittel bekommt.

 

SILKE WENZEL

lernte die Schuppenflechte als junges Mädchen kennen. Bald wurde der Befall so stark, dass noch zu DDR-Zeiten jedes Jahr ein stationärer Aufenthalt nötig war. Seit 16 Jahren besteht außerdem eine Gelenkbeteiligung. Deswegen stellte man sie auf Methotrexat (MTX) ein. „Für die Haut hat das aber bei mir nichts gebracht.” Die Ärzte hätten so ziemlich alles versucht: Dithranol, Teer, Vitamin D, Bestrahlungen einschließlich PUVA nach Einnahme von Psoralen. Wiederholt sei sie in der Tomesa-Klinik (Bad Salzschlirf) gewesen und habe auch Sandimmun® probiert, dies allerdings nicht vertragen.

Im Frühjahr 2002 konnte Silke Wenzel an der Erprobung von Infliximab (Remicade ®) bei Arthritis psoriatica teilnehmen. Dazu mussten alle Medikamente abgesetzt werden. Ohne MTX sei ein „böser Rückfall” der Gelenkbeschwerden aufgetreten. Doch bereits eine Infusion des TNF-alpha- Hemmers habe innerhalb von drei Tage die Gelenke gebessert. „Nach zwei Wochen war ich komplett schmerzfrei.” Im weiteren Verlauf der Therapie hätten sich allmählich die Hauterscheinungen ebenfalls völlig zurückgebildet. Leider sei zwei bis drei Monate nach dem Ende der Behandlung alles „schlimmer als vorher” gewesen. Und MTX habe keine Wirkung mehr gehabt, so dass „ich eine Zeitlang ziemlich hoch dosiert Kortison nehmen musste.” Als Alternative zum damals offiziell für dieses Anwendungsgebiet noch nicht verfügbaren Infliximab wurde schließlich Etanercept (Enbrel®) gegeben, anfangs in der üblichen Dosis von zweimal wöchentlich 25 mg. Diese sei dann auf die doppelte Menge alle vier Tage erhöht worden. Die Gelenke, so schildert die Patientin ihren Eindruck, hätten sich gebessert, die Hautveränderungen weniger. Beim subjektiven Vergleich schneidet das früher getestete Mittel nicht bloß wegen der Wirkung besser ab. „Mich selbst zu spritzen, ist zwar kein Problem. Aber ich finde es angenehmer, wenn ich nur ab und zu mal in die Klinik muss und dazwischen die Krankheit vergessen kann.”

 

SVEN THOMAS TORMANN

war 26, als seine Schuppenflechte kurz nach der Wende extrem „an den Beinen, am Rücken und Bauch, hinter den Ohren und so weiter” zum Vorschein kam. In der Charité-Hautklinik habe man ihm damals Spritzen gegeben. „Die haben super geholfen, doch die Leberwerte gingen bald so hoch, dass man das Mittel absetzen musste.” Danach versuchte er allerlei Salben, Bestrahlungen. „Das bringt gar nichts”, meint er rückblickend. Nach einem vierwöchigen Klinik-Aufenthalt in Bad Sulza mit täglicher Bade-Lichttherapie sei der Hautzustand zwar gut, doch bald wieder wie vorher gewesen. Auch der jährliche Griechenland-Urlaub habe die Krankheit immer eine Weile erträglicher gemacht. Wirklich besser, berichtet der Berliner, wurde sie erst durch Alefacept (Amevive®, das man ihm drei Monate lang jede Woche einmal injizierte. Ab der fünften oder sechsten Spritze sei der Erfolg sichtbar geworden, und jetzt, „ zehn Wochen nach der Therapie, habe ich noch nicht mehr als vier kleine Stellen an Knie und Ellbogen.” Sollte die Schuppenflechte allerdings wieder stärker werden, will Sven Thomas Tormann möglichst erneut an einer Studie mit solchen Mitteln teilnehmen.

 

MARION MEEREIS

hatte schon im Vorschulalter erste Anzeichen der Krankheit, die ihre Mutter seit langem nur mit Methotrexat (MTX) in Schach halten kann. Während der Schwangerschaft wurde es besser. „Da war sogar der Kopf eine Weile frei, aber einige Wochen nach der Geburt ging es richtig los.” Die heute 28-Jährige zählt die seitdem versuchten Behandlungen auf, als müsste sie beweisen, dass wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden: Dithranol, Teer, Bade-PUVA, MTX, Sandimmun®, mehrwöchige Reha-Aufenthalte. Dennoch: „Ganz erscheinungsfrei war ich nie.”

In einer großen Gemeinschaftspraxis sagte ihr einer der fünf Dermatologen, man könne sich eine Patientin wie sie nicht leisten. „Das ist schon hart,” kommentiert die derart Ausgestoßene. So wandte sie sich vor etwa zwei Jahren an die Hautklinik der Charité. Die dort zunächst verordneten Salben hätten natürlich nicht ausgereicht. Das sei ihr schließlich bestätigt worden von Dr. Markus Friedrich, dem Leiter des BereichsPsoriasis Studienzentrum, der ihr Alefacept (Amevive®) im Rahmen einer klinischen Prüfung vorgeschlagen habe.

Die einmal wöchentlich in die Muskulatur verabreichten Spritzen dämmten die Schuppenflechte zwar bis zu einem gewissen Grad ein. Doch ohne das Mittel kam es rasch zu einem Rückfall. Mit der deswegen begonnenen MTX-Therapie, so bilanziert Marion Meereis, wurde immerhin innerhalb von drei Wochen bei einer Dosis von wöchentlich 15 mg wieder etwa der gleiche Zustand wie unter Alefacept erreicht.

 

PETER LEIBER

hatte zwei Jahre vorher einen Herzinfarkt. 1993 wurde dann bei ihm Schuppenflechte diagnostiziert und zunächst mit den üblichen Salben, Salzbädern, Bestrahlungen behandelt. Da sich die Krankheit immer mehr ausgebreitet hatte, war er froh über die Möglichkeit, als Versuchsperson das kurz darauf in den USA zugelassene Alefacept ausprobieren zu können. Nach einer gewissen Rückbildung gab es keine Verbesserung mehr, die Therapie wurde darum abgebrochen. Stattdessen stellten ihn die Hautärzte der Uniklinik auf Fumaderm® ein. Seit einem Jahr nimmt Peter Leiber diese Tabletten. Jetzt brauche er wieder die Höchstmenge von sechs Stück täglich, zeitweise hätten vier gereicht, aber der Erfolg sei gut.

 

IOANNIS KATAPODIS

hat zwar „erst” seit 1985 Schuppenflechte. Diese machte sich aber bald so heftig bemerkbar, dass sie nicht bloß äußerlich und mit UV-Licht behandelt werden konnte. Er nahm Medikamente ein, die aber zu wenig wirksam(Neotigason®) oder unverträglich waren. Die als Flush bekannte Hitzewallung bei Fumaderm ® habe er als „ganz schrecklich” erlebt.. Darum nutzte er 2003 die Chance, an einer der klinischen Studien mit dem inzwischen als Raptiva® zugelassenen Efalizumab teilnehmen zu können. Damit sei jedoch „ nach einer minimalen Besserung” nichts mehr erreicht worden, vermutlich wegen einer Erkältung, die er damals bekommen habe.

Ein Jahr später begann die Therapie mit Alefacept. Nach der vierten oder fünften von zunächst zwölf wöchentlich verabreichten Spritzen habe sich „etwas getan.” Am Ende sei er „absolut frei” von den zuvor über den ganzen Körper bis zum Kopf ausgedehnten Erscheinungen gewesen. Und dieser Zustand, erzählte Katapodis Mitte Oktober 2004, halte zum Glück weiterhin an. Er werde in monatlichen Abständen von den Ärzten der Berliner Universitäts-Hautklinik Charité überwacht und hoffe, bei einem irgendwann sich vielleicht doch einstellenden Rückfall das bei ihm überaus erfolgreiche Mittel wieder zu bekommen.

 

LUTZ STADEMANN

erinnert sich genau: Die Schuppenflechte begann bei ihm kurz vor der Wende mit all den familiären und beruflichen Folgen. Er ist Frührentner und kann nicht jedesmal 25 Euro, die eine Bade Lichtbehandlung jetzt beim Hautarzt kostet, selbst bezahlen. Die verordneten Salben reichten nicht aus. Lutz Stademann nahm dann an einer Studie teil, spritzte sich ein halbes Jahr lang einmal wöchentlich selbst Raptiva®. Es hat, sagt er, „nichts genützt, und ich bin daher umgestiegen auf Fumaderm®, das sehr gut geholfen hat.” Doch wegen zu starkem Absinken der weißen Blutkörperchen müsse er jetzt eine Pause machen.

 

MAREK WOJDA

war am Anfang „wirklich begeistert” von Raptiva®. Seine Schuppenflechte hatte sich im Winter 2002/03 arg verschlimmert. Der Hautarzt überwies ihn an die Klinik für Dermatologie der Charité. Dort wurde er in die Erprobung des neuen Medikaments einbezogen. Das erste Mal sich selbst zu spritzen, kostete ihn Überwindung. Doch bald sei das „kein Problem” gewesen.

Schon innerhalb von vier Wochen, staunte Wojda, bildete sich der großflächige Befall am Körper zurück, und außer leichten Kopfschmerzen „konnte ich keine Nebenwirkungen feststellen.” Leider habe der „sehr gute Effekt” schnell wieder nachgelassen, als die auf drei Monate befristete Therapie zu Ende gewesen sei. Nach einem Vierteljahr erhielt er noch einmal die Ration für einen zweiten Therapiezyklus bis November 2003.

Während des Sommers, so rekapituliert Wojda knapp ein Jahr später, „war es recht gut, weil ich so viel wie möglich in die Sonne gegangen bin.” Jetzt im Herbst werde die Haut wieder schlechter, an vielen kleinen Stellen tauche die Psoriasis von neuem auf. Ob es ihm hilft, dass Raptiva® seit Oktober 2004 offiziell zur Behandlung der Plaque-Psoriasis verfügbar ist? Darüber hatte der Patient noch nicht nachgedacht.

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