PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Artikel aus PSO aktuell Heft 4/04

 

 

Basistherapie

Harnstoff wirksam und unschädlich

Die natürlich in der Hornschicht vorkommende Substanz gehört allein oder zusammen mit anderen örtlich angewandten Wirkstoffen zum Standard der Psoriasis-Behandlung. Hautärzte und Patienten fordern daher, dass entsprechende Präparate wieder erstattet werden. Die Kassen lehnten dies erneut ab.

 

HarnstoffsalbeIm menschlichen Organismus entsteht laufend Harnstoff. Davon werden täglich 25 bis 30 Gramm ausgeschieden. Mit dem Schweiß und als Endprodukt eines beim Verhornungsprozess gespaltenen Eiweißbausteins gelangt die englisch Urea genannte Verbindung in die Hornschicht. Die Konzentration ist generell bei trockener Haut und noch stärker in den Psoriasis-Herden gegenüber gesunder Haut erniedrigt. Da Harnstoff ein wesentlicher Bestandteil der natürlichen Feuchthaltefaktoren ist, kann in diesen Fällen nicht genügend Wasser gebunden werden. Die Zufuhr von außen soll den Mangel beseitigen. Das ist regelmäßig notwendig und die Basis aller sonstigen Maßnahmen, die je nach Art und Ausmaß der Erscheinungen zusätzlich für eine bestimmte Zeit eingesetzt werden.

 

EINE SOLCHE PFLEGETHERAPIE macht die Haut nicht bloß ansehnlicher. Geschmeidig und glatt ist sie auch weniger anfällig für äußere Einflüsse, die den Krankheitsprozess immer wieder anstacheln. Mithin lässt sich die Häufigkeit von Krankheitsschüben vermindern. Harnstoff kann zudem Schuppen lösen und stillt Juckreiz, indem er einerseits lokal leicht betäubend wirkt, andererseits die krankheitsbedingte Trockenheit und damit einen der Hauptgründe für das Kratzbedürfnis beseitigt.

 

Schließlich fördert Harnstoff das Eindringen von Arzneisubstanzen wie Dithranol oder Kortison und steigert dadurch deren Effektivität: Mit weniger wird mehr erreicht. Und es gibt sogar Hinweise, dass Harnstoff allein die übermäßige Erneuerung der Oberhaut bremst und die gestörte Verhornung in den psoriatischen Plaques normalisiert. Auf akut entzündeten oder rissigen Hautbereichen könnte ein Gehalt über fünf Prozent unangenehm reizen. Die für eine langfristige EVIDENT UNSACHLICH Begleittherapie bei Schuppenflechte geeigneten Fertigarzneimittel enthalten meist die doppelte Menge, zum Beispiel Basodexan®, Elacutan®, Eucerin® 10% Urea, Linola® Urea, Nubral®. Stärkere Präparate wie Carbamid Creme Widmer oder Ureotop® lösen noch besser Schuppen. Doch zur Erhöhung der Wasserbindungsfähigkeit genügen schon geringere Konzentrationen.

 

DIE WIRKUNG hängt freilich nicht zuletzt von der Zubereitungsart ab. Eine Creme transportiert Harnstoff rasch in die Haut, wo er sich in den oberen Lagen anreichert und ebenso schnell wieder verschwindet. Aus einer Salbe wird er wesentlich langsamer freigesetzt, verteilt sich dafür annähernd gleichmäßig in der gesamten Hornschicht. So wird eine infolge Veranlagung, Alter oder bestimmter Behandlungen, etwa Solebäder und UV-Bestrahlung, zu trockene Haut eher nachhaltig befeuchtet.

 

SEIT DER GESUNDHEITSREFORM dürfen die ohne Rezept in Apotheken erhältlichen Harnstoff-Präparate den gesetzlich Versicherten nicht mehr verordnet werden. Die für schwerwiegende Erkrankungen vorgesehene Ausnahme wurde in diesem Fall bisher nicht anerkannt, wohl in der falschen Annahme, es ginge lediglich um Kosmetik (siehe Kasten). Nachdem ohnehin selbst gezahlt werden muss, ließe sich ja vielleicht mit einer individuell angefertigten Rezeptur gegenüber industriellen Fertigprodukten etwas sparen. Fachleute raten indes ab. Denn dabei könnten Harnstoffkristalle zu „Schmirgeleffekten” führen, weder die Stabilität noch eine gleich bleibende Wirkstoff-Abgabe sei bei Apotheken-Zubereitungen garantiert. Man kann also höchstens versuchen, als Dauerkunde einen Rabatt auszuhandeln, da frei verkäufliche Mittel keiner Preisbindung mehr unterliegen.

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