Artikel aus PSO aktuell Heft 1/05
Nach über einem Jahrzehnt tauchte es auf einmal wieder in den Medien auf. Was einst ein Arzneimittel war, ist heute ein apothekenpflichtiges Kosmetikum, und der Hauptwirkstoff wurde ausgetauscht.
Überschrift, als sich PSO aktuell 1/1992 mit dem wissenschaftlichen Hintergrund des kurz vorher „Balneum” genannten Mittels beschäftigte. Es enthielt Kamillenöl in einer „grenzflächenaktiven” wässrig-alkoholischen Lösung und sollte zur unterstützenden Behandlung der Schuppenflechte anfangs täglich, dann zweimal wöchentlich angewandt werden.
Die Forschergruppe um Prof. Thomas Ruzicka, seinerzeit noch an der Universitäts- Hautklinik München tätig, hatte in Zellkulturen den Einfluss des Badezusatzes auf die Krankheitsvorgänge bei Psoriasis untersucht. Es zeigte sich, dass steigende Konzentrationen immer stärker das Zusammenspiel von Botenstoffe mit ihren Empfangsmolekülen (Rezeptoren) auf Oberhaut- und Immunzellen hemmen. Das betraf unter anderem entzündungsfördernde Abbauprodukte der mit tierischen Nahrungsmitteln zugeführten Arachidonsäure sowie Interleukin-8 und Epidermal Growth Factor (EGF), der die übermäßige Vermehrung der Oberhautzellen fördert. Die in ähnlicher Weise z. B. für Dithranol oder UVBBestrahlung nachgewiesenen Effekte, so hieß es im Abschlussbericht der Dermatologen 1991, könnten „zumindest teilweise erklären”, warum der Hersteller über „sehr gute Erfahrungen” mit der Badekur berichtete. Für die damals von einigen Zeitungen verbreitete Behauptung, „in mehr als 90 Prozent der Fälle” würden dadurch die Erscheinungen beseitigt, fehlten allerdings Belege. Nachprüfbare Ergebnisse einer ärztlich überwachten Anwendung bei Patienten gibt es auch mit der neuen Rezeptur nicht.
DR. CHRISTOPH EISEN von der APS Pharma GmbH in Weßling (Oberbayern) meint, die Wirkung des früheren Präparates habe „überwiegend auf den grenzflächenaktiven Substanzen” beruht. Dabei handle es sich um Fettalkohole aus dem Öl der Kokosnuss, die molekulare Partner der chemischen Vermittler von Entzündung und Wachstum in den Zellmembranen beeinflussten. „Die Zusammensetzung und Menge dieser Substanzen wurde für APS Hautbad unverändert übernommen.”
Das in APS Balneum zusätzlich enthaltene Kamillenöl habe sich jedoch nur „in relativ niedriger Konzentration” einarbeiten lassen. Die dadurch bedingte entzündungshemmende Wirkung müsse „als entsprechend gering eingestuft werden”. Ausgeprägt sei eine solche hingegen bei dem jetzt verwendeten Extrakt des indischen Weihrauchs. Dieser weise einen Gehalt an Boswelliasäuren auf, der nach den experimentellen Arbeiten von Prof. Hermann P. T. Ammon an der Universität Tübingen deutlich die Entstehung von so genannten Leukotrienen aus Arachidonsäure und damit die Entzündung vermindere.
Die Wirksamkeit sieht Dr. Eisen vor allem durch eine kontrollierte Vergleichsstudie an der Universitätsklinik Mannheim bestätigt. Dort hatten aus Indien unter der Bezeichnung H15 eingeführten Weihrauch-Tabletten die Symptome der als Morbus Crohn bekannten chronischen Darmentzündung ebenso gelindert wie Mesalazin, waren allerdings besser verträglich gewesen (vgl. PSO aktuell 1/2002, S. 11). Die chemische Standardsubstanz, so die Argumentation des medizinisch-wissenschaftlichen Experten bei APS Pharma, werde zwar eingenommen, wirke aber „lediglich topisch”, also vor Ort im Darm. Insofern sei die Anwendung des therapeutisch ebenbürtigen Weihrauchextrakts durch den Mund (oral) vergleichbar der lokalen Einwirkung mit dem APS Hautbad. Das ist möglich, wenngleich nicht bewiesen. Desgleichen kann man nur vermuten, dass die Entzündungshemmung von zwei weiteren Bestandteilen, nämlich Allantoin und Dexpanthenol, verstärkt wird. Die Firma hält sich jedenfalls mit Erfolgsversprechen zurück.
Empfohlen wird, nach der Schuppenentfernung zunächst täglich APS Hautbad etwa eine halbe Stunde anzuwenden. Für Vollbäder sei jeweils ein Viertel Liter nötig. Bei Teilbädern von Füßen, Händen, Ellenbogen oder Kopfhaut genüge ein Esslöffel je Liter Wasser. In schweren Fällen müsse dies bis zu sechs Wochen lang fortgesetzt werden, wobei man nach sechs Bädern immer einen Tag pausiere. Später reiche ein- oder zweimal pro Woche ein Weihrauchbad. Anschließend rät Dr. Eisen zu einer Lotion, die Feuchtigkeit bindet, z. B. mit einem Harnstoffgehalt von fünf Prozent. Ergänzend bewähre sich für die antientzündliche Lokalbehandlung schwefelhaltiger Ölschiefer in Ichtholan® T Gel.