Artikel aus PSO aktuell Heft 2/05
Im Doppelblindversuch war ein überall erhältliches Kopfwaschmittel gleich wirksam wie das medizinische Vergleichsprodukt und hatte diesem gegenüber noch kosmetische Vorteile.
Der behaarte Kopf ist die am häufigsten befallene Körperregion bei Psoriasis vulgaris. Die überstürzte Erneuerung von Hornzellen infolge der zugrunde liegenden Entzündung führt zu sichtbaren Schuppen, die örtlich begrenzt oder ausgedehnt fest haftende Beläge bilden können. Nur in sehr hartnäckigen Fällen wenden Dermatologen noch die früher fast automatisch zum Abschuppen verordnete Salicylsäure an. Da sie gut durch die Kopfhaut in den Körper aufgenommen wird, können besonders bei Kleinkindern und eingeschränkter Nierenfunktion giftige Konzentrationen entstehen. Als unschädliche Alternative kommt Harnstoff (fünf bis zehn Prozent) in Betracht.
AN DER UNIVERSITÄTS-HAUTKLINIK Kiel, so Dr. Regine Gläser, haben sich emulgierende Cremes wie Unguentum emulsificans aquosum ohne weitere Zusätze bestens bewährt. Meist genüge es, sie abends aufzutragen, in die schuppenden Herde einzureiben und morgens auszuwaschen. Die Zubereitung, nach den Vorschriften des Deutschen Arzneibuches (DAB) eine hydrophile (Wasser liebende) Salbe, gibt es in der Apotheke. Dagegen braucht man zum Auswaschen keines der nur dort erhältlichen Shampoos. Diese enthalten verschiedene Substanzen, die eine medizinische Wirkung versprechen und die gezielte Therapie, z. B. mit Kortison oder Vitamin D, unterstützen sollen (vgl. PSO aktuell 2/2003, S. 23-28).
OB SICH DER HÖHERE PREIS solcher Mittel lohnt, untersuchten Prof. Ulrich Amon und Mitarbeiter an der PsoriSol-Klinik in Hersbruck. 200 Patienten, deren Kopfhauterkrankungen in 186 Fällen durch Psoriasis vulgaris bedingt waren, bekamen zufällig eines der beiden Prüfpräparate. Weder sie noch die Ärzte konnten erkennen, wer welches Shampoo über durchschnittlich zwei Wochen in der Regel täglich benutzte, zusätzlich zur üblichen Lokalbehandlung (Schuppen lösende Salben, Wirkstoffe in Lösungen, Lichtkamm).
VERGLICHEN wurde Stieprox® (Intensiv Shampoo plus Pflege) und head & shoulders (wohltuend für trockene Kopfhaut). Betroffene und Untersucher beurteilten unabhängig voneinander, wie sich der Ausgangsbefund hinsichtlich Schuppung, Rötung, Juckreiz, Fettigkeit/Trockenheit besserte. Dabei ergaben sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen dem apothekenpflichtigen Stieprox® und dem allgemein verfügbaren head & shoulders. Dieses zogen die Patienten jedoch hinsichtlich Haarglanz und Geruch vor; deutlich besser bewerteten sie das populäre Produkt in der Kategorie „Kämmbarkeit”.
DIE ERGEBNISSE wurden während der Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Dresden vorgestellt. „Bei vergleichbarem klinischem Effekt”, folgerten die Hautärzte, seien die „günstigen haarkosmetischen Eigenschaften” wohl ein entscheidendes Kriterium für ein Shampoo, das langfristig regelmäßig benötigt werde.