Artikel aus PSO aktuell Heft 4/05
Die Stiftung Warentest hat wieder zugeschlagen: In ihrem neuesten Buch nahm die Institution alternative Behandlungsmethoden unter die Lupe – und kam zu einem harschen Urteil: Die meisten Verfahren sind nutzlos. PSO aktuell fasst für Sie die Untersuchungsergebnisse für diejenigen alternativen Verfahren zusammen, die Menschen mit Schuppenflechte mehr oder weniger häufig angeboten werden. Und lässt auch kritische Stimmen zu Wort kommen.
Den Deutschen genügt die Schulmedizin nicht. Knapp zwei Drittel wünschen sich eine Kombination aus Schulmedizin und alternativen Verfahren, nur jeder fünfte will sich im Krankheitsfall auf eine rein schulmedizinische Behandlung verlassen. So lauten die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts. Angesichts dieses Trends kommt das neue Buch der Stiftung Warentest „Die andere Medizin“ gerade recht.
In diesem über 300 Seiten starken Werk hat die Berliner Institution erstmals die Kriterien der so genannten evidenzbasierten Medizin zur Beurteilung der verschiedenen Diagnose- und Behandlungsverfahren herangezogen. Die evidenzbasierte Medizin gilt derzeit als medizinischer Qualitätsstandard. Danach unterscheidet man in mehreren Abstufungen, ob für ein Verfahren qualitativ hochwertige Studien (mehrere Studien, viele Patienten, Plazebokontrollen, usw. bedeuten hohe Evidenz) oder lediglich einige wenige Erfahrungsberichte (niedrigste Evidenz) vorliegen. Die abschließende medizinisch-wissenschaftliche Bewertung hat Dr. Edzard Ernst, Professor für Komplementärmedizin an der Universität in Exeter (Großbritannien) vorgenommen.
Insgesamt beurteilten die Tester nur jedes dritte der 52 untersuchten Verfahren als positiv. Geistheilung, Pendel und Wünschelrute bringen zum Beispiel nichts. Das verwundert nicht. Erstaunlich war dagegen zum Beispiel, dass Blutegel gegen Arthrose im Kniegelenk helfen und die traditionelle chinesische Medizin bei den meisten Erkrankungen (mit Ausnahme von Kopfschmerzen) versagt.
NUN ZU DEN VERFAHREN, die für Psoriatiker relevant sind. Unter dem Stichwort „Schuppenflechte“ findet sich genau ein Eintrag, nämlich die Irisdiagnostik. Sie wird als „kein aussagekräftiges diagnostisches Verfahren“ dargestellt, das sogar eine erhebliche Gefahr von Fehldiagnosen mit sich bringe. Die einzige Methode, die zur Behandlung von Hauterkrankungen getestet wurde, ist die Homöopathie. Hierzu schreiben die Autoren: „Das Konzept der Homöopathie ist nach naturwissenschaftlichem Verständnis nicht plausibel.“ Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die Warentester ihre abschließende Bewertung mit dem Satz einleiten „Es gibt Hinweise auf eine therapeutische Wirksamkeit von homöopathischer Behandlung“ bei einer Vielzahl von Erkrankungen, darunter auch Hauterkrankungen. Am Ende heißt es dann doch wieder, die Homöopathie sei „zur Behandlung von Krankheiten nicht geeignet“. Auch in einer der wichtigsten medizinischen Fachzeitschriften wurde kürzlich ein Artikel veröffentlicht, der die Homöopathie als reine Scheinbehandlung verurteilt. Positives haben die Leute von der Stiftung Warentest dagegen über mehrere Verfahren zu berichten, die beim Abbau von Stress oder zur Verringerung stressbedingter Beschwerden behilflich sein sollen. Darunter ist zum Beispiel autogenes Training, das nicht nur bei Stress, sondern auch bei Asthma, Kopfschmerzen, leichten Depressionen, Schlafstörungen und Tinnitus nachweislich wirksam ist. Ein therapeutischer Nutzen ist ebenfalls belegt für die Aromatherapie zur Steigerung des Wohlbefindens und zur Entspannung, für Meditation, Musiktherapie und Feldenkrais, das auch Nacken- und Rückenschmerzen lindern kann.
FÜR DIE BACHBLÜTENTHERAPIE, die ebenfalls zur Verringerung stressbedingter Beschwerden angepriesen wird, gibt es dagegen keine kontrollierten Studien, die deren Wirksamkeit belegen.
Wer ein schmerzlinderndes Verfahren sucht, ist vielleicht auf Biofeedback gestoßen, für das ein positives Urteil abfiel. „Nachweislich kann Biofeedback bei rheumatoider Arthritis die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit erhöhen. Bei Schlafstörungen, chronischen Schmerzen und stressbedingten Beschwerden kann das Verfahren zur Linderung beitragen“, ist laut Stiftung Warentest aber dennoch „nicht zur Behandlung geeignet“.
BEI SCHUPPENFLECHTE wird manchmal auch die Kolon-Hydro- Therapie angeboten. Doch diese schnitt bei den Testern sehr schlecht ab. „Das Konzept entbehrt wissenschaftlichen Grundlagen ... Zudem sind einige ernste Zwischenfälle bei der Behandlung beschrieben worden.“
FAZIT Herauslesen lässt sich aus dem Buch der Stiftung Warentest „Die andere Medizin“, welche Behandlungsverfahren eine eindeutige und messbare Wirksamkeit besitzen. Schwächen weist das Buch aber auf, wenn die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt ist. Das kann nämlich verschiedene Ursachen haben: Entweder haben kontrollierte Studien tatsächlich gezeigt, dass die Methode unwirksam ist oder es liegen überhaupt keine kontrollierten Studien vor, in denen die Wirksamkeit des Verfahrens untersucht wurde. Letzteres ist leider gerade bei vielen alternativen Heilverfahren der Fall. Doch in beiden Fällen lautet das Gesamturteil der Stiftung Warentest „für eine Behandlung nicht geeignet“. Darum lohnt es sich, nicht nur die zusammenfassenden Bewertungen zu lesen, sondern den Text etwas genauer durchzuarbeiten.
© PSO aktuell 2005