PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Artikel aus PSO aktuell Heft 2/08

 

 

Hautpflege zum Anziehen

Silberwäsche - bei Psoriasis reiner Luxus

Einige Hersteller preisen silberbeschichtete Textilien auch Kunden mit Schuppenflechte an. Ist die „Silberkleidung" für Psoriatiker wirklich nützlich?

 

SilberwäscheTextilien, in deren Fasern Silbermoleküle eingearbeitet sind, werden von diversen Firmen angeboten. Der Grund: Silber wirkt zerstörend auf viele Bakterien. Silberkleidung als „Hautpflege zum Anziehen" hilft besonders Neurodermitikern, denn bei ihnen ist die Haut dünn und rissig, sodass Bakterien leicht eindringen und Juckreiz und Entzündungen verstärken können. Dass sich dies mit eng anliegender Silberwäsche unterbinden lässt, konnte Dr. med. Anke Gauger von der TU München in einer kleinen Studie an 15 Patienten bereits 2003 zeigen.
Zu ähnlichen Ergebnissen kam im letzten Jahr eine Untersuchung der PsoriSol-Klinik in Hersbruck. Zum Einsatz kamen hier Textilien der Marke Binamed® (Binamed Moll GmbH). Prof. Dr. Ulrich Amon untersuchte Wirkung und Akzeptanz von Silbertextilien an 125 Patienten mit verschiedenen Hauterkrankungen. Auch hier war mit 76% die große Mehrheit der Studienteilnehmer Neurodermitiker. Nur sechs Psoriatiker nahmen teil, mit Schuppenflechte ausschließlich an den Handinnenflächen.

 

TROTZ DER GERINGEN Zahl von Psoriatikern zieht die Firma Binamed, die die Studie bei der PsoriSol-Klinik in Auftrag gegeben und auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat, auch mit Blick auf Schuppenflechte verallgemeinernde Schlüsse aus den Ergebnissen. So heißt es in einer aktuellen Pressemeldung „Die Silbertextilien können sowohl bei Neurodermitis als auch bei verschiedenen anderen Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Kontaktekzemen eingesetzt werden". Auf der Homepage des Binamed-Vertriebspartners Innomedo heißt es sogar: „Wie Anwendungstests unter ärztlicher Aufsicht und Labortests gezeigt haben, trägt die antibakterielle Wirkung elementaren Silbers dazu bei, die Beschwerden derart zu lindern, dass die Belastungen, die eine Erkrankung Schuppenflechte mit sich bringt durch die Silbertextilien auf ein erträgliches Maß gesenkt werden können."

 

EIN NÄHERER BLICK auf die Studiendaten entlarvt diese Aussage allerdings als reichlich schönfärberisch. Denn nur zwei der sechs Psoriasispatienten machen Angaben, die auf eine deutliche Verbesserung des Hautbildes und des Juckreizes hinweisen. Nur eine Person stellte eine Verringerung des Nässens fest. Die übrigen äußerten sich dazu entweder nicht oder erlebten Juckreiz, Hautbild und Nachtschlaf als unverändert. Trotz dieser nicht besonders überzeugenden Ergebnisse hatten am Ende des Untersuchungszeitraums vier Studienteilnehmer mit Psoriasis den Wunsch, die Silberhandschuhe weiterzu verwenden. Sie bewerteten ihren Tragekomfort als angenehm. Zwei der Teilnehmer hatten das Gefühl, die Textilien böten einen guten Kratzschutz. Ein Teilnehmer empfand das Tragen der Handschuhe als unangenehm.

 

ANGESPROCHEN auf die Frage, warum die Firma Binamed anders als die meisten Mitbewerber ihre Produkte auch Menschen mit Schuppenflechte empfiehlt, rudert Geschäftsführerin Sabine Moll vorsichtig zurück: „Die Studie hat ergeben, dass bei unseren Silbertextilien für Menschen mit Schuppenflechte eher das Wohlfühlelement, weil diese Kleidung weich, angenehm zu tragen und atmungsaktiv ist, im Vordergrund steht als der Heilungseffekt. Denn offenbar spielt die antimikrobielle Wirkung bei Psoriasis ja keine so wichtige Rolle wie bei Neurodermitis. Wir werden dazu nochmal Untersuchungen beim Textilforschungsinstitut Hohenstein in Auftrag geben und gegebenenfalls müssen wir das dann auch anders darstellen."

 

 

Unsere Meinung

Die Erkenntnis, dass in der Haut bei Schuppenflechte körpereigene antimikrobielle Stoffe Infektionen weitgehend verhindern und deshalb von Silbertextilien kein großer Nutzen zu erwarten sein dürfte, ist seit einigen Jahren bekannt. Wenn eine Firma einen anderen Eindruck entstehen lässt, ist dies wenig seriös und könnte als Verbraucherirreführung gewertet werden.

 

Dr. Ina Schicker

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