PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Moderne Antipsoriatika - Schwerpunkt Biologics

Wolf-Henning Boehncke, Roland Kaufmann

UNI-MED Verlag 2002
140 Seiten, 52 Abbildungen

 

Wie schnell die Forschung voran schreitet, zeigen die inhaltliche Veränderungen der zweiten Auflage dieses Lehrbuches, die schon nach gut eineinhalb Jahren notwendig wurden. So ist das Kapitel "Experimentelle Ansätze in der Therapie der Psoriasis" durch eines über "Biologicals" ersetzt worden. Die sogenannten Arzneimittel, erklären die Herausgeber im Vorwort, seien wissenschaftlich planvoll konstruiert worden aufgrund der Einsichten in die molekularen Vorgänge entzündlicher Erkrankungen, während man die Wirkung herkömmlicher Medikamente wie zum Beispiel Ciclosporin A bei Schuppenflechte "eher zufällig erkannt" habe.

 

"Das erste speziell für die Psoriasis-Therapie entwickelte Biological wird ab 2003 in Europa verfügbar sein." Die Angabe bezog sich auf Alefacept (Amevive®), das die auch für Deutschland angekündigte Zulassung überraschend nicht bekommen hat (vgl. PSO aktuell 1/2003, S. 4). Der Hersteller in den USA rechnet damit, dass es einige Jahre dauern werde, die zusätzlich geforderten klinischen Informationen zu liefern. Nicht von den Fakten überholt wurde dagegen die Einschätzung: Hinsichtlich eines erhöhten Krebsrisikos durch solche in die Immunregulation eingreifenden Mittel "liegen derzeit noch keine aussagekräftigen Daten vor, diese Sorge ist jedoch zweifelsfrei vorhanden."

 

Schmerzen auch ohne Entzündung

Völlig neu bearbeitet wurde das Kapitel zur früher als "Psoriasis arthropathica", jetzt "Arthritis psoriatica" bezeichneten Gelenkentzündung. Sie werde als eigenständiges Krankheitsbild abgegrenzt, was allerdings "oft schwierig" sei. Denn es fehlten bisher international akzeptierte Kriterien für die Diagnose, und Patienten mit den typischen Hauterscheinungen könnten durchaus zugleich eine rheumatoide Arthritis oder Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) bekommen. Andererseits müssten Gelenkschmerzen bei sichtbarer Schuppenflechte "nicht zwangsläufig Symptome einer Arthtritis psoriatica sein." Sie kämen vielmehr häufig auch alleine vor, ohne dass Anhaltspunkte für eine Gelenkentzündung bestünden.

 

Ausführlich wird auf die medikamentöse Therapie eingegangen. Dabei lindern kortisonfreie Entzündungshemmer relativ rasch die Beschwerden, können jedoch den Krankheitsprozess nicht wesentlich beeinflussen. Das erreicht die Langzeittherapie mit "klassischen" Rheumamitteln wie Sulfasalazin oder Methotrexat. Dieses Repertoire sei "um einige viel versprechende Alternativen erweitert" worden. Dazu zählten insbesondere zwei Gentechnik-Produkte, die den Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF-a) als "Motor" der Entzündung neutralisierten: Infliximab (Remicade®) und Etanercept (Enbrel®). Letzteres ist mittlerweile, anders als noch auf Seite 113 angemerkt, für Arthritis psoriatica zugelassen (vgl. PSO aktuell 1/2003, S.11).

 

Beibehalten wurde die Einteilung der Mittel und Methoden nach ihren Angriffspunkten, unabhängig davon, ob sie äußerlich oder innerlich angewandt werden, chemisch oder physikalisch etwas ausrichten. Die beiden Herausgeber und ihre neun Mitautor(inn)en, sämtlich am Universitätsklinikum Frankfurt am Main tätig, orientieren sich am eingangs geschilderten Ablauf der psoriatischen Entzündungsreaktion.

 

Nicht alles passt ins Schema

Demnach wirken Therapien entweder primär auf die überstürzt nachwachsenden Oberhautzellen (Keratinozyten) oder vor allem immunsuppressiv. Zur ersten Gruppe werden z. B. Dithranol, Teerpräparate, künstlich abgewandelte Verbindungen von Vitamin D und A gerechnet, aber ebenso Fumarsäureester, obwohl "eine Stimulation der TH2-Zellen im Vordergrund" ihrer antipsoriatischen Wirkung stehen soll, das heißt: Sie fördern jene weißen Blutkörperchen (Lymphozyten), die durch ein bestimmtes Muster von Botenstoffen die von ihren Gegenspielern (THI) angekurbelte Entzündung wieder bremsen.

 

Außerdem gehören zu den vor allem gegen den hektischen Zellnachschub gerichteten Methoden das chirurgische Abtragen der Plaques, Kältetherapie, abdeckende Verbände (Okklusion) und Laser. Für den Excimer-Laser wird freilich angenommen, dass er den programmierten Zelltod (Apoptose) der T-Zellen einleitet, und zwar stärker als UVB-Bestrahlung mit dem Schmalspektrum von 311 nm. Das ist später unter "Phototherapie" den in erster Linie immunsuppressiv wirkenden Mitteln zugeordnet.

 

Solche kleinen Unstimmigkeiten mindern den Wert des Buches nicht. Mögen manche wissenschaftlichen Details in der Fachsprache für "Laien" schwer verständlich sein, so bietet es ihnen gleichfalls eine Fülle praktisch bedeutsamer Informationen, beispielsweise zu therapeutischen Problemsituationen wie Psoriasis des behaarten Kopfes, der Nägel, an Handinnenflächen und Fußsohlen oder in Körperregionen, wo Haut auf Haut liegt. Der Anhang "hilfreiche Adressen" ist leider nicht auf dem neuesten Stand. Erfreulich: Nach wie vor gilt der Hinweis, dass zur Orientierung im Internet "die homepage PSO aktuell .... als Start empfohlen werden kann".

 

Aus PSOaktuell September 2003

 

 

 

 

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