PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Patricia Buchholz

Psoriasis - Therapeutische Ansätze vom 18. bis zum 20. Jahrhundert

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2001
266 Seiten, 19 Abbildungen

 

Aus PSO aktuell 4 /2005:

Was heute als Fortschritt erscheint, könnte sich morgen als Irrtum erweisen. Vorsicht lehrt jedenfalls der Blick zurück auf die unzähligen Behandlungsformen, die in den letzten 200 Jahren vorgeschlagen, zum Teil von den Fachleuten lange Zeit gerühmt und dann wieder verdammt wurden. 

 

Die Autorin hat diese Entwicklung für ihre Doktorarbeit systematisch verfolgt. Dabei geht sie nicht nur auf äußerlich oder innerlich angewandte Medikamente ein, sondern berücksichtigt auch Bäder- und Lichtbehandlungen sowie ernährungs- und psychotherapeutische Maßnahmen. Die historische Betrachtung nimmt Bezug auf die jeweils aktuellen Theorien zur Krankheitsentstehung. Keine konnte bislang die Ursache der Psoriasis endgültig klären. Das verdeutlichen die inzwischen als überholt geltenden ebenso wie die unterschiedlichen derzeit gängigen Methoden oder noch in der Erprobung befindliche Therapien, von denen Buchholz exemplarisch einige bespricht.

 

Zum Beispiel: Die 1806 erstmals für dermatologische Zwecke empfohlene Einnahme von Arsen blieb bis Mitte des vorigen Jahrhunderts, trotz einiger Warnungen, schulmedizinischer Standard. 1953 wies ein Hautarzt auf den großen Nutzen eines Präparates bei „unerheblichen“ Nebenwirkungen hin, und viele Patienten schluckten weiter die Krebs erzeugende Arznei. Quecksilber, dessen Giftigkeit seit der Amalgam-Diskussion in aller Munde ist, wurde als Mittel zur äußerlichen Behandlung erst nach dem zweiten Weltkrieg allmählich durch Neuerungen wie Kortison verdrängt. 

 

Nicht mehr gebräuchlich sind antiseptische Substanzen, etwa Pyrogallol oder Jodverbindungen. Dagegen hat sich die traditionelle Anwendung von Teerprodukten und vor allem von Dithranol (Cignolin®) bis in die Gegenwart behauptet.

 

Unterstützend werden die Anfang des 19. Jahrhunderts in Mode gekommenen Bäder nach wie vor eingesetzt. Die gleichfalls schon altbekannte UV-Behandlung ist, ständig verfeinert, modern geblieben, während Radium-, Röntgen- und Thoriumstrahlen als zu gefährlich aufgegeben werden mussten. Sehr populär war eine Weile die fettarme Diät, die 1933 mit dem hohen Cholesteringehalt der Psoriasis-Schuppen begründet wurde. Positiv beurteilten etliche Autoren früher bereits eine vorwiegend vegetarische Kost und Fleischverzicht. Daran knüpfen aktuelle Ernährungsempfehlungen an und verbinden dies mit der Gabe von Fischöl. 

 

Das Buch – sein Literaturverzeichnis umfasst 28 klein gedruckte Seiten – bietet Apothekern, Ärzten, Medizinhistorikern und Betroffenen eine Fülle von Hintergrundmaterial. Wer sieht, was alles schon gedacht und getan wurde, um die Schuppenflechte zu kurieren, wird vor übertriebenen Erwartungen bewahrt. Eine Heilung ist nicht in Sicht, aber die Behandlung wird langsam verbessert. Wobei das bewährte Alte nicht immer schlechter sein muss als der neueste Trend.

 

 

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