PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

 

Aus PSO aktuell März 2008

 

 

Ist eine vernünftige Behandlung noch möglich?

Zu Ihrem Artikel „Lohnt sich das?“ in PSO aktuell 4/2007: Haben diese Frage nur die „Kunden“ Patienten gepachtet oder ist diese Frage auch für die Dienstleister Ärzte legitim?

Das Honorar für ein Arztgespräch beträgt in Hessen nur ca. 6,60 Euro (erste Beratung im Quartal) bzw. 1,30 Euro (zweite Beratung im Quartal). In den letzten Jahren haben viele Kassenärzte ihre Kassensprechstunden reduziert, und Kassenarztsitze werden früher als notwendig und zum Teil ohne Nachfolger aufgegeben (59% der Allgemeinärzte in Deutschland sind älter als 50 Jahre). Diskutiert wird die kollektive Rückgabe der Kassenzulassungen. Deutsche Ärzte gehen zunehmend ins Ausland.

Hieraus wird klar: Die Honorar-Misere ist nicht länger nur ein Problem der Ärzte. Sie wird mehr und mehr zum Problem der Patienten als Leistungsnachfrager. Welcher Kollege ist bei dem heutigen Niedrig-Honorar bereit, z.B. eine Systemtherapie bei Psoriasis vulgaris durchzuführen, mit Methotrexat, Fumaderm® oder Ciclosporin, mit mehrfachen Beratungen und Blutentnahmen im Quartal und persönlicher Haftung für die Medikamenten-Mehrkosten (Regressgefahr)? Laut Statistik nur einer von zehn. Und ich kann das verstehen. Auch eine UV-Therapie bekommt nicht mehr jeder Kassenpatient: Wenn der Hautarzt deutlich außerhalb seines Budgets arbeitet, dann würde eine weitere UV-Therapie bei einem Kassenpatienten keinen weiteren Euro Honorar für die Praxis bringen. Nur Aufwand, ärger wegen Wartezeiten der anderen Patienten und Haftungsrisiko.

Hier muss sich ein Kassenpatient fragen, ob er seine Situation als Kunde beim Dienstleister Arzt nicht irgendwie verbessern kann, z.B. indem er als Selbstzahler zum Arzt geht. Die Techniker Krankenkasse bietet seit kurzem den Tarif „Privat-Praxis“ an. Hier wird der Kassenpatient gegen einen Beitragsaufschlag zum Selbstzahler beim Arzt. Es ist neuartig und erfreulich, dass hier die strikte Trennung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung aufgehoben wird und der Kassenpatient die Möglichkeit bekommt, wieder ein wirklicher „Kunde“ zu werden, mit Leistung und Gegenleistung.

Ein Selbstzahler kann heute viel eher damit rechnen, eine Systemtherapie oder eine UV-Therapie angeboten zu bekommen. Sie bekommen früher einen Termin und kommen am Termin pünktlicher dran. Sie werden ausführlicher beraten. Nicht das Rezept oder ein Allergietest, sondern der ärztliche Rat ist das Kostbarste, was der Patient in der Praxis bekommen kann.

Aus meiner Praxis, heute bei mir die wöchentliche „Akut-Sprechstunde“, kann ich berichten: Bis 9 Uhr hatten sich mehr als 75 Kassenpatienten angemeldet, und die letzten wurden von mir um 17 Uhr behandelt, bis dahin hatte ich nur eine 5-Minuten-Pause für einen Joghurt.

Eine Patientin bedankte sich bei mir, dass ich diese Möglichkeit überhaupt einräume, bei acht anderen Dermatologen hätte sie in den nächsten Wochen überhaupt nicht ankommen können. Meinen Sie im Ernst, dass dies einem Selbstzahler (Privatpatienten) passiert, der ein ordentliches Honorar mitbringt?

In der Hoffnung, dass die Kassenpatienten ihr Schicksal aktiver in ihre Hände nehmen …

Ein niedergelassener Dermatologe aus Hessen

 

 

PSO aktuell: Tatsächlich klingt das Angebot der Techniker Krankenkasse interessant, zumindest auf den ersten Blick. Der Tarif „Privat-Praxis“ ist ein Wahltarif, für den je nach Alter zusätzliche monatliche Prämien zwischen 17,90 und 99,90 Euro fällig werden. Bei genauerem Hinsehen muss man leider feststellen, dass man damit kein „voller Privatpatient“ wird: Erstattet werden nur Leistungen, die zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören, nicht aber darüber hinausgehende Leistungen, z.B. IGeL-Angebote.

Der Arzt kann bis zum 3,5-fachen GOä-Satz abrechnen. Wie bei Privatversicherten bekommt der Patient vom Arzt eine Rechnung, die er dann bei der Techniker Krankenkasse einreichen kann. Erstattet werden übrigens nur 90% der Kosten, wobei der maximale Eigenbeitrag auf 400 Euro im Jahr beschränkt ist. Arzneimittel werden nach wie vor über die Krankenversicherungskarte abgerechnet. Das heißt konkret: Dieser Tarif kann die Budgetproblematik nicht umgehen. Bleibt zu hoffen, dass der Arzt dann wenigstens mehr Zeit für diese Patienten übrig hat.

Zurück zum eigentlichen Problem: Psoriatiker sind chronisch Kranke. Gerade sie leiden darunter, dass ihnen notwendige Medikamente aus „Budgetgründen“ verweigert werden. Wir haben ein gewisses Verständnis für Ihre Schwierigkeiten mit dem Arzneimittelbudget. Allerdings möchten wir Sie darauf hinweisen, dass Sie das Problem letztendlich nur verlagern, wenn Sie die aus medizinischer Sicht notwendigen Medikamente nicht verordnen. Denn der betroffene Patient

In der Hoffnung, dass Kassenärzte solche Patientenschicksale nicht einfach hinnehmen, sondern sich aktiv für die Genesung ihrer Patienten einsetzen …

 

Anzeigen

 

 

 

© PSO aktuell 2017 Sitemap | RSS-Feed | Datenschutz | Impressum | Kontakt