Vitamin D
Fertigpräparate: Psorcutan® / Daivonex®, Curatoderm®
Künstliche Abwandlungen der im Körper entstehenden Form von Vitamin D3 wirken ebenso auf die Haut, beeinflussen aber viel weniger als dieser Calcitriol genannte Stoff den Kalzium- Stoffwechsel.
Als erste Substanz mit chemisch geringfügig verändertem Aufbau wurde 1992 in Deutschland Calcipotriol (Psorcutan®, Daivonex®) verfügbar. 1996 folgte Tacalcitol (Curatoderm®). Entsprechend dem natürlichen Vitamin D3 normalisieren beide Verbindungen das Wachstum und die Reifung der Oberhautzellen. Daneben beeinflussen sie Botenstoffe und weiße Blutkörperchen, insbesondere T-Zellen, über die das bei Psoriasis fehlgesteuerte Immunsystem die krankhaften Vorgänge in Gang halten soll.
- Als Indikation gilt leichte bis mittelschwere Psoriasis vom Plaque-Typ. Dabei wird für Calcipotriol als Höchstgrenze angegeben: weniger als 30 Prozent der Körperoberfläche zu behandeln. Bei Tacalcitol lautet die Empfehlung: maximal zehn Prozent (etwa ein Arm). Vorsichtshalber raten die Hersteller, vor und während der Anwendung den Kalziumspiegel im Blut zu bestimmen, obwohl Störungen durch die übliche Therapie äußerst unwahrscheinlich sind. In einer britischen Studie konnte sogar das Doppelte bis Dreifache der offiziell erlaubten Menge von 100 g Calcipotriol- Salbe pro Woche einen hochgradigen Befall rasch und problemlos bessern.
- Calcipotriol soll zweimal, Tacalcitol nur einmal täglich aufgetragen werden. Ob die bequemere Anwendung für beide Mittel gleiche Ergebnisse bringt, wurde bislang nicht verglichen. In einem achtwöchigen Doppelblindversuch schnitt Calcipotriol bei vorschriftsmäßigem Gebrauch jedoch besser ab.
- Hinsichtlich der Rückbildung von chronisch-stationären Herden erwiesen sich Vitamin-D-Abwandlungen in klinischen Studien der Behandlung mit einem mittelstarken Kortison ebenbürtig ohne dessen Risiken (Hautverdünnung, Gewöhnung, stärkeres Wiederaufflammen). Im Vergleich zu Dithranol fiel die größere Annehmlichkeit des Gebrauchs auf. Die Symptome verminderten die neuen Wirkstoffe etwas besser als das altbewährte Mittel. Wie lange der nach acht Wochen erreichte Zustand jeweils anhält, ist nicht geprüft worden.
- Der Beipackzettel verbietet die Anwendung von Calcipotriol im Gesicht und in empfindlichen Bereichen, wo Haut auf Haut liegt. Zumindest für die 1996 eingeführte Psorcutan® Creme zeigten aber die Erfahrungen in der Praxis, dass sie auch dort ohne Reizungen eingesetzt werden kann. Ob das bisher nur als Salbe angebotene Tacalcitol bei gleicher Wirksamkeit verträglicher ist, müsste erst noch bewiesen werden. Für den behaarten Kopf eignet sich die seit 1998 erhältliche Calcipotriol- Lösung besser.
- Kombinationen: Da Vitamin-DPräparate zwar sehr gut Schuppung und Verdickung umschriebener Herde beseitigen, aber oft noch eine Rötung zurückbleibt, können sie abwechselnd mit Kortison aufgetragen werden. Zusammen lässt sich ohne Hautreizung rasch eine vollständige Abheilung erzielen.Reicht die örtliche Therapie nicht aus, steigert UVB-Licht die Wirkung. Bevorzugt wird das Schmalspektrum um 311 nm. Immer erst nach der Bestrahlung eincremen. In schweren Fällen wurde die Kombination mit PUVA und Ciclosporin erprobt. Dabei verminderte sich die jeweils benötigte Dosis, so dass solche eingreifenden Methoden weniger Nebenwirkungen haben.