Klimatherapie / Kur
Die Gesamtheit der atmosphärischen Bedingungen an einem Ort wirkt über Haut, Atmungstrakt, Augen und zentrales Nervensystem auf den Organismus. Für die unmittelbare Besserung der Psoriasis-Erscheinungen bei einer Klimatherapie sind Sonnenbestrahlung und Meerbäder entscheidend.
- In Davos, wo seit 1961 Hautkranke aus Deutschland klinisch behandelt werden, wurde ermittelt, dass die dort auf geschützten Balkonen und Terrassen ganzjährig nutzbare Höhenstrahlung bis zu 30-mal weniger UVB benötigt wie künstliche Lichtbehandlung, um eine vergleichbare Wirkung zu erzielen.
- Am Toten Meer, das etwa 400 Meter unter dem normalen Wasserspiegel liegt, filtern die dickeren Luftschichten kurzwellige Strahlen weitgehend heraus. Damit verringert sich zwar die Gefahr eines Sonnenbrandes, da jedoch der bei Psoriasis wirksame Bereich ebenfalls abnimmt, sind längere Sonnenbäder nicht nur möglich, sondern sogar notwendig. 1996 zeigte allerdings eine Vergleichsstudie, dass die Erfolge bei maximal drei, viereinhalb und sechs Stunden täglich gleich gut sind. Eine verstärkende Wirkung hat wahrscheinlich das Wasser mit einem Salzgehalt von ca. 30 %, das ausgeprägt schuppenlösend und, zumal durch den hohen Anteil von Magnesium, entzündungshemmend ist. Neuerdings wies eine Doppelblindstudie nach, dass Salz aus dem Toten Meer allein schon mehr bewirkt als Kochsalz.
- Ungewohnte Witterungsverhältnisse, die sich häufig, heftig und unregelmäßig ändern, sorgen an der Nordsee ebenso wie im Hochgebirge für eine Umstimmung. Sie soll die Regulationsfähigkeit des Körpers und damit seine Widerstandskraft steigern. Durch wiederholte Aufenthalte in solchen Regionen mit Reizklima können die erscheinungsfreien Zeiten offenbar noch weiter verlängert werden.
- Unabhängig davon, wo eine Kur stattfindet, trägt die Schonung zum Erfolg bei. Sie soll zeitweilig berufliche, familiäre oder lokale Belastungen, z. B. Luftverschmutzung, fernhalten und in einer anregenden Umgebung ermuntern, das Verhalten so zu ändern, dass die Krankheit weniger Chancen zum Ausbruch bekommt.
- In gut ausgestatteten Fachkliniken beschränkt sich weder die stationäre Akutbehandlung noch die medizinische Rehabilitation auf natürliche Heilmittel. Diese werden ergänzt durch dermatologische und rheumatologische Betreuung, Krankengymnastik, Ernährungsberatung, Entspannungsübungen, psychologische Einzel- und Gruppengespräche, Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten zur Krankheitsbewältigung sowie gesundheitsfördernde Schulungsprogramme.
- Klimatherapie wirkt auf verschiedenen Ebenen. Daher genügt es nicht, einzelne Elemente wie UV-Strahlung und Salzwasser anderenorts nachzuahmen. Was das Zusammenspiel der Witterungsreize bei einer sonst ähnlichen Versorgung zusätzlich bewirkt, ist allerdings schwer zu beurteilen. Denn Vergleiche der Erfolge von Reha-Einrichtungen im Mittel- und Hochgebirge oder an Ost- und Nordsee liegen nicht vor.
- Am Toten Meer sind die ergänzenden Angebote qualifizierter Berufsgruppen weit bescheidener. Die dort so genannten Kliniken eines Reiseveranstalters bestehen aus Arztpraxen, die Hotelgäste ambulant betreuen. Dennoch haben viele der mehr sich selbst behandelnden Patienten erfahren, dass ihnen das besondere Klima nachhaltige Besserung bringt. Bei annähernd gleichen Kosten lassen sich davon in Einzelfällen auch Krankenkassen überzeugen, wenn vorausgegangene Kuren im Inland nicht ausreichend waren. Die Rentenversicherung lehnt eine Kostenübernahme ab, solange die Überlegenheit der Reha- Maßnahme am Toten Meer nicht wissenschaftlich erwiesen ist.