Naturheilverfahren
Je offensichtlicher wurde, dass auch ausgeklügelte Kunstgriffe der modernen Medizin sozusagen an natürliche Grenzen stoßen und Krankheiten oft nicht endgültig zu beseitigen sind, desto mehr besannen sich Ärzte und Patienten auf die alte Erfahrung, dass der Organismus über Selbstheilungskräfte verfügt. Diese sollen möglichst schonend unterstützt werden. Dabei lassen sich drei Grundsätze unterscheiden.
- Reiz- oder Regulationstherapie:
Der Körper versucht, sich äußeren oder inneren Veränderungen anzupassen. Derart kann seine Ordnungsfähigkeit herausgefordert und trainiert werden, so dass er künftig für Störungen weniger anfällig ist und Belastungen leichter ausgleicht. Dazu dürfen die Anstöße weder zu schwach noch zu stark sein. Der Organismus muss außerdem noch genügend Reserven und Zeit haben, um im gewünschten Sinne zu reagieren. Eigenblut-Injektionen, Heilfasten, ungewohnte Witterungsverhältnisse (siehe Klimatherapie) können solche langfristig die Gesundheit fördernden Reize sein.
- Immunmodulation:
Sie hieß früher schlicht „Abhärtung“ und ist eine Spielart der Reiztherapie. Die teils angeborenen, teils in der Auseinandersetzung mit Fremdstoffen erworbenen Schutzmechanismen lassen sich durch mancherlei, was Leib und Seele gut tut, anregen oder vor schädlichem Übereifer bewahren. Eine solche Modulation (latein. modulari = rhytmisch abmessen) erreichen Wassergüsse, Sauna, Sport, sofern er keine Höchstleistungen anstrebt, ebenso wie sonstige Aktivitäten, die Stress mindern oder einfach Freude machen. Denn das Immunsystem hat über Nerven und Hormone engsten Kontakt zu unserem Erleben und Verhalten. Direkt beeinflusst wird es von Extrakten einiger Pflanzen wie Sonnenhut (Echinacea), Lebensbaum (Thuja) oder Mistel (Viscum), Zubereitungen tierischer Organe (Thymus), und körpereigenen Botenstoffen, etwa Interferone, Interleukine. Als Immunstimulation wirken auch Mikroben, die bei der so genannten Symbioselenkung eine normale Darmflora gewährleisten sollen.
- Ordnungstherapie:
Die Basis aller Naturheilverfahren geht auf die Idee der griechischen „Diaita“ zurück. Damit ist weit mehr gemeint als die richtige Ernährung („Diät“), nämlich eine Lebensweise, die dem biologischen und persönlichen Rhythmus gemäß gestaltet werden soll, mit einem ausgewogenen Wechsel von Anstrengung und Erholung, Ruhe und Bewegung, Vermeiden von Genussgiften und Gewohnheiten, die bereits vorhandene Beschwerden verschlimmern. Nicht alle krankmachenden Belastungen können die Einzelnen selbstverantwortlich ändern. Doch klärende Gespräche und fachkundige Anleitung (siehe Psychotherapie) eröffnen oft neue Handlungsspielräume.