Sole-(Balneo) Fototherapie
Die guten Erfahrungen von Psoriatikern am Toten Meer bewogen Dr. Markward Ständer 1976, die Starksole (27 %) in Bad Bentheim zusammen mit ganzjährig „maßgeschneiderter“ UVB-Bestrahlung einzusetzen. 1982 eröffnete in Bad Salzschlirf die Tomesa-Fachklinik. Deren Markenzeichen verweist auf das Tote-Meer-Salz, das auch die im Original vorkommenden Mineralstoffe und Spurenelemente nachstellen soll, weil sie als wesentliche Voraussetzung der gesteigerten Kombi-Wirkung angesehen werden.
Ein Bad (latein. balneum) in salzhaltigem Wasser und anschließende oder gleichzeitige (synchrone) Lichtbehandlung gehört nun zum Standardangebot in vielen Fachkliniken und Kurorten sowie verstärkt in ambulanten Einrichtungen. Die Badeflüssigkeit wird entweder aus natürlichen Quellen geschöpft oder künstlich zubereitet. Dazu verwenden die einen nur Kochsalz, die anderen eine Mischung verschiedener Mineralien. Diese kann z. B. aus dem Toten Meer gewonnen oder seiner Zusammensetzung entsprechend chemisch hergestellt sein.
- Das Solebad soll Schuppen lösen, durch Wassertropfen und Salzkristalle auf der Haut die UV-Wirkung verstärken und entzündungsfördernde Stoffe auswaschen. Umstritten ist der dafür nötige Salzgehalt. Bäder mit örtlichen Quellen (z. B. Bentheim, Rappenau oder Reichenhall) heben die ähnlich hohe Konzentration wie im Toten Meer hervor. Eine Studie an der Universität Heidelberg fand bei 15-prozentiger Sole mit dem als Arzneimittel zugelassenen Psori-Sal® bessere Behandlungsergebnisse, als wenn dreiprozentige Kochsalz-Lösung verwendet wurde. Bei der stationären Tomesa- Therapie wird inzwischen eine selbst bei leicht wunder Haut gut verträgliche Sole von 8 % in den meisten Fällen als ausreichend eingeschätzt. Denn zur Unterstützung der UV-Wirkung hält man bestimmte Inhaltsstoffe für wichtiger.
- Nach den veröffentlichten Erfolgsquoten heilen die Erscheinungen in 60 bis über 90 Prozent der Fälle gut oder völlig ab. Diese Spannweite könnte auf unterschiedlicher Qualität von Licht und Wasser beruhen. Zum Teil wird die kombinierte Behandlung allerdings noch ergänzt durch äußerliche Medikamente und andere Maßnahmen, zumal während eines stationären Aufenthaltes zur medizinischen Rehabilitation.
- Welchen Vorteil zusätzliche Bäder gegenüber reiner Fototherapie bringen, ob Wasser allein genügt oder erst Sole in einer bestimmten Stärke bzw. Qualität die vermutete Wirkungssteigerung erwarten lässt, ist wissenschaftlich ungeklärt. Dennoch wurden bei zwei Erprobungsmodellen zur ambulanten Balneo-Fototherapie die Erfolge nicht einmal mit denen der überall schon verfügbaren Lichtbehandlung verglichen.
- Die Rückbildung der Hauterscheinungen nach durchschnittlich 27 Sole- UVB-Behandlungen, die der Abschlussbericht der Universitäts-Hautklinik Kiel zum Vorhaben der Ersatzkassen- Verbände belegt, liefert also keinen stichhaltigen Nachweis, dass die Mehrkosten durch die flächendeckend geschaffenen Badeeinrichtungen gerechtfertigt sind. Da in einem Drittel der Fälle obendrein äußerliche Mittel gebraucht wurden, könnten diese und UVB-Bestrahlung unter Umständen auch ohne Sole mit weniger Aufwand das Gleiche erreichen. Ein weiterer Mangel: Es durften die verschiedensten Arten der Bestrahlung und Sole als Vollbäder oder mit Plastikfolien verwendet werden. Einheitlich war nur die vorgeschriebene Salz-Konzentration von 15 %.
- Die ambulante Tomesa-Therapie mit Wiederaufbereitung der hier nur 10- prozentigen Sole in Spezialwannen gewährleistet standardisierte Bedingungen. Zur gleichzeitigen Bestrahlung dient ausschließlich UVB 311 nm. Die synchrone Balneo-Fototherapie wurde ab 1992 zunächst in eigenen Behandlungszentren durch die bayerischen Ortskrankenkassen gefördert. Das von der Uni-Hautklinik Regensburg wissenschaftlich begleitete Erprobungsmodell läuft im Jahr 2000 aus. Bei dem bereits im März 1999 beendeten „Kieler Modell“ sichert eine Übergangsregelung noch die Vergütung der teilnehmenden Dermatologen, bis der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen entschieden hat, ob das Verfahren als Regelleistung anerkannt wird. Solange ist es ebenso wie die Tomesa- Behandlung für die Versicherten kostenlos.
- Die ambulante Sole-Fototherapie sollte aber erst erwogen werden, wenn eine Psoriasis wegen Ausdehnung/Schwere der Erscheinungen nicht einfacher zu behandeln ist. Andererseits macht sie keineswegs stationäre Kuren oder Klimatherapien, die sich nicht in Salzwasser und UV-Bestrahlung erschöpfen, überflüssig.