PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

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Artikel aus PSO aktuell Heft 2/01

 

 

Psoriasis im Kindesalter

Besonderheiten der Diagnose und Therapie

Schuppenflechte ist in jungen Jahren keine typische Hauterkrankung. Sie wird daher oft nicht gleich erkannt. Und die Patienten können nicht einfach wie kleine Erwachsene behandelt weden.

 

Immer wieder wenden sich verzweifelte Eltern an unsere Redaktion oder Selbsthilfegruppen. Sie haben für die Tochter/ den Sohn eine möglichst unbeschwerte Kindheit gewünscht. Konflikte mit sich und den Mitmenschen sollten das Erwachsenwerden nicht mehr als ohnehin üblich belasten. Dies scheint eine chronische Hautkrankheit in Frage zu stellen. Erfordert sie doch nicht nur ständige Pflege und Aufmerksamkeit gegenüber der lebenslang bestehenden Anfälligkeit. In einer durch Äußerlichkeiten geprägten Umwelt leidet auch das Selbstwertgefühl unter dem sichtbaren Makel. Und die befürchtete oder tatsächlich erfahrene Ablehnung durch andere kann von der Teilhabe am normalen Alltag ausschließen.

 

Vererbung und Häufigkeit

Zumal selbst betroffene Eltern fühlen sich oft schuldig. Dass sie dem Kind das eigene Schicksal nicht erspart haben, wird für die Mutter/den Vater umso leichter zum Vorwurf, je mehr mutmaßliche Übeltäter die Genforschung verdächtigt. Wer bisher nicht auffällig geworden ist, kann freilich trotzdem die Anlage weitergeben. Umgekehrt müssen, sogar wenn beide Elternteile schon Schuppenflechte haben, die Nachkommen keineswegs immer und im gleichen Ausmaß erkranken. Es kursieren sehr unterschiedliche Zahlen, wie hoch das Risiko ist. Sie beruhen alle bloß auf Schätzungen und zeigen eine Wahrscheinlichkeit an, die im Einzelfall keine Vorhersage erlaubt.

Ebenso fehlen zuverlässige Daten zur Verbreitung in den einzelnen Altersgruppen. Fest steht jedoch, dass Psoriasis bei Kindern statistisch selten und gewiss keine typische Erscheinung wie etwa Neurodermitis ist. Macht sie sich bereits früh bemerkbar, geschieht das eher nach dem 10. Lebensjahr. Die Häufigkeit steigt besonders während der Pubertät an. Mädchen sind öfter als Jungen betroffen. Kinderärzte, die gewöhnlich zuerst aufgesucht werden, denken nicht ohne weiteres daran. Man sollte sie deshalb auf diese Möglichkeit hinweisen, sofern die Krankheit in der Familie bekannt ist. Obwohl nicht jede trockene oder leicht gereizte Stelle gleich als Alarmsignal gelten muss, empfiehlt es sich, in Zweifelsfällen die Hautveränderungen von Dermatologen begutachten zu lassen.

 

Erscheinungsbild

Bei Säuglingen werden Entzündungen am Gesäß, in der Analfalte, an den Geschlechtsteilen und Oberschenkeln gern als Windeldermatitis abgetan. Der so bezeichnete Ausschlag entsteht durch Feuchtigkeit mit Wärmestau, Zersetzung von Urin und Stuhl. Das schafft ein Milieu, in dem Bakterien und Hefepilze gut gedeihen.

Alle diese Reizfaktoren können im Sinne des Köbner-Phänomens die Psoriasis herausfordern. Dann ist die nässende Rötung der dort obendrein geschwollenen Haut scharf gegenüber der Umgebung abgegrenzt und reicht meist über den Windelbereich hinaus. Eine Pilzinfektion sollte stets ausgeschlossen oder entsprechend behandelt werden. Denn sie feuert die Schuppenflechte ständig an, wie diese ihrerseits die Schmarotzer zur Besiedelung einlädt. Der Befall des behaarten Kopfes kann im Kindesalter bevorzugt das erste Anzeichen sein. Dabei finden sich oft neben Herden am Haaransatz der Stirn und im Nacken, hinter und in den Ohrmuscheln sowie den Gehörgängen außerdem symmetrische, klar von der gesunden Haut abgesetzte Stellen im Gesicht, die einem seborrhoischen Ekzem ähneln.

Beschränkt sich die Schuppenflechte nicht auf die oben genannten Regionen, treten vor allem nach fieberhaften Infektionen des Nasen-Rachenraumes (z. B. Mandelentzündung durch Streptokokken) linsengroße, an Tropfen erinnernde Flecken auf. Sie breiten sich in wenigen Tagen fast über den ganzen Körper aus, sind zunächst hellrot und schuppen kaum. Diese eruptiv-exanthematische Form kann völlig abheilen oder später in die chronisch-stationäre Variante übergehen, die bei Erwachsenen vorherrscht. Ein solcher Hautausschlag ist mehr von Juckreiz begleitet, der Kinder überhaupt häufiger und heftiger plagt. Das dadurch provozierte Kratzen verschlimmert die bereits offenbar gewordene Krankheit oder löst erstmals ihre Erscheinungen aus, etwa als Folge juckender Allergien. Grundsätzlich können alle Formen der Schuppenflechte vorkommen, seien es solche mit Pustelbildung, seien es rheumatische Entzündungen der Wirbelsäule und Gelenke (Psoriasis arthritis). Das bleiben aber zum Glück rare Ausnahmen.

 

Behandlung

Die allgemeinen Empfehlungen, was ergänzend zur gezielten Therapie getan werden kann, sind für Kinder genauso zu beachten. Besonders schonend sollte die Reinigung und Pflege der Haut sein.

In der Regel reichen äußerliche Mittel, die höchstens mit einer behutsamen UV-Bestrahlung und Klimatherapie kombiniert werden. Dabei ist zu bedenken, dass kindliche Haut empfindlicher reagiert und Wirkstoffe stärker aufnimmt als die von Erwachsenen.

Um Schuppen zu lösen, darf daher beispielsweise Salicylsäure nicht großflächig angewandt werden. Sonst könnten langfristig schädliche Mengen in den Körper gelangen. Als Ersatz eignet sich Harnstoff (10 %) oder Milchsäure (5 %) in Vaselin. Auf dem behaarten Kopf ist Salicylsäure (bis 5 %) unbedenklich. Dort kann man ebenfalls relativ gefahrlos mit Kortison behandeln. Produkte der mittelstarken Wirkstoffklasse II wie Advantan® oder Dermatop® sind im Übrigen bei vorwiegend entzündlichen Veränderungen (z. B. unter den Achseln, am Bauchnabel, in der Gesäßfalte) erlaubt, allerdings ununterbrochen nicht länger als zwei Wochen. Sobald die akute Rötung abgeklungen ist, geht man zu kortisonfreien Mitteln über. Dazu gehören in diesen Regionen nicht zuletzt künstliche Gerbstoffe.

Bei den verschiedenen Vitamin-D3-Präparaten raten die Beipackzettel davon ab, Kinder und Jugendliche zu behandeln. Zugelassen ist dies bisher für Daivonex®/Psorcutan® als Salbe ab 6 Jahren. Dazu gibt es die geforderten Belege der Wirksamkeit und Sicherheit. Für die tendenziell schwächere und besser verträgliche Creme mit dem gleichen Wirkstoff wird vorgeschrieben: „Nicht unter 18 Jahren.“ Doch Erfahrungen von Ärzten und Eltern widersprechen dem. Seit neuestem darf Curatoderm® Salbe ab 12 Jahren angewandt werden.

Wegen fehlender Untersuchungen warnt die Gebrauchsinformation auch vor dem Vitamin-A-Gel Zorac® in diesem Alter. Bei Babys lehnt der amtlich genehmigte Text nicht nur Steinkohlenteer ab, sondern nennt selbst für die Cremezubereitung des sanften Pflanzenextraktes Rubisan® die Anwendung als Gegenanzeige. Indes bezieht sich das auf den darin enthaltenen Konservierungsstoff Benzylakohol. Im Fall der Fertigarzneimittel mit Dithranol (Cignolin®) wird der Gebrauch bei Säuglingen und Kleinkindern wegen der dazu benötigten Salicylsäure beschränkt. Darüber hinaus glauben viele Hautärzte, dass zumindest die höher konzentrierte Kurzzeittherapie übermäßig reizen kann.

 

Insgesamt erscheinen die offiziellen Angaben zu Salben und Cremes vielleicht mitunter zurückhaltender als nötig, weil die vergleichsweise kleine Zielgruppe nicht so umfangreiche Studien lohnt wie die (im doppelten Sinn) große Mehrheit der Psoriasis-„Kundschaft“. Darum werden nicht alle heute verlangten Nachweise erbracht. Schöpft man die dennoch verfügbaren Möglichkeiten der äußerlichen Therapie aus, sind riskante innerliche Medikamente bei Heranwachsenden kaum erforderlich.

Zudem lassen sich die mit ihrer Erkrankung verbundenen Probleme nicht allein medizinisch lösen. Die restlos fleckenfreie Haut darf nicht der oberste Maßstab sein.

 

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