Artikel aus PSO aktuell Heft 1/03
Bei entzündlich-rheumatischen Beschwerden ist der Nutzen einer Ernährungsumstellung heute unbestritten. Dabei wird eine vorwiegend pflanzliche Kost ergänzt durch Omega-3-Fettsäuren in Seefischen, die frisch oder als Konserven möglichst oft auf den Tisch kommen sollen. Die Wirkung können Fischöl-Kapseln aus der Apotheke verstärken. Von einer solchen Diät profitieren wahrscheinlich auch die Haut und das Herz.
Zu viel schadet immer. Die Bundesbürger decken durchschnittlich 38 Prozent ihres Energiebedarfs mit Fett. Höchstens 30 Prozent empfehlen die Fachgesellschaften. Doch nicht nur die Menge macht´s. Es kommt ebenso auf die Art der zugeführten Fette an.
Dabei schien lange Zeit alles ganz einfach, wenn man sich an die Formel hielt: tierisch = böse, pflanzlich = gut. Denn die einen, so wurde die Einteilung begründet, enthalten gesättigte, die anderen ungesättigte Fettsäuren. Letztere kennzeichnet, dass in ihrem Molekül die Kette der Kohlenstoff- und Wasserstoffatome durch Doppelbindungen verknüpft ist. Je nach deren Anzahl unterscheidet man einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren.
Leider passt die Natur nicht in dieses Schema. Gänseschmalz besteht beispielsweise zu mehr als der Hälfte aus einfach und zu zehn Prozent aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Dagegen liefert die Kokosnuss überwiegend (rund 90 Prozent) gesättigte Fettsäuren. Sie gelten als hauptsächliche Übeltäter beim Anstieg der kleinen Cholesterinpartikel geringer Dichte, fachsprachlich LDL abgekürzt (low density lipoproteins). Je höher ihre Konzentration im Verhältnis zu den HDL (high densitiy lipoproteins) ist, desto wahrscheinlicher werden arteriosklerotische Gefäßveränderungen samt ihren Folgen, also Herzinfarkt und Schlaganfall.
Blutgefäße schützen
Das Risiko kann man nicht dadurch vermindern, dass allgemein Fett zugunsten von Kohlenhydraten wie Nudeln oder Brot eingespart wird. Damit treibt man unter Umständen, vor allem bei beeinträchtigter Blutzucker-Regulation, ebenfalls die LDL hoch, während der HDL-Anteil abnimmt. Günstiger ist es, den Verzehr einfach ungesättigter Fettsäuren, z. B. in Olivenöl, zu erhöhen. Eine wichtige Rolle spielen zudem Omega-3-Fettsäuren, die nicht bloß der „Arterienverkalkung“ vorbeugen, sondern auch deren Konsequenzen. Sie können nämlich Gefäße erweitern, den Blutdruck senken und die Gerinnungsfähigkeit herabsetzen.
Entzündung kriegt ihr Fett
Zu dieser Gruppe gehört die dreifach ungesättigte Alpha-Linolensäure, etwa in Lein-, Raps-, Soja- oder Walnussöl. Aus ihr werden im Organismus die hoch ungesättigten Fettsäuren mit fünf bis sechs Doppelbindungen gebildet, wie sie natürlich besonders in Hering, Lachs, Makrele und Thunfisch vorkommen. Das Fischöl ist obendrein schon länger für Menschen mit chronischen Gelenkentzündungen wegen der darin reichlich enthaltenen Eicosapentaensäure interessant. Der Name bezieht sich auf die Anzahl der Kohlenstoffatome (griech. eicosa = zwanzig) und Doppelbindungen (griech. penta = fünf) im Molekül. Da sich die erste dieser Verknüpfungen am dritten Kohlenstoffatom befindet, ist es eine fünffach ungesättigte Omega-3-Fettsäure.
Nützliche Konkurenz
Bei der Arachidonsäure beginnen die insgesamt nur vier Doppelbindungen dagegen am sechsten Kohlenstoffatom. Deshalb zählt sie zu den Omega-6-Fettsäuren. Mit ihr wetteifert die Eicosapentaensäure um die gleichen Abbau-Enzyme. Je mehr diese von dem Fischöl-Molekül beansprucht werden, desto weniger können aus Arachidonsäure entzündungsfördernde Spaltprodukte entstehen, zumal wenn gleichzeitig die Zufuhr des Ausgangsmaterials mit Fleisch und Wurst eingeschränkt ist (vgl. PSO aktuell 3/2001, S.21 und 1/2002, S. 25).
Aus den bisher verfügbaren Daten leitete Prof. Olaf Adam von der Universität München beim Rheumatologenkongress in Berlin folgende Empfehlungen ab: