Artikel aus PSO aktuell Heft 3/03
Veränderungen der Finger- und Fußnägel kommen häufig, aber nicht nur bei Schuppenflechte vor. Noch schwieriger als eine richtige Diagnose ist meist die Therapie. Nichts hilft sofort und auf Dauer, doch je nach Schweregrad sind unterschiedliche Methoden aussichtsreich.
Cornelia Baumeister war schon "bei vielen Dermatologen, ohne dass es wirklich etwas nützte." Seit 15 Jahren habe sie Schwierigkeiten an allen zwanzig Nägeln. "Sie lösen sich fast vollständig ab." Die Haut sei immer frei von Psoriasis gewesen. "Doch meine Oma litt sehr stark darunter. Ich bin also familiär vorbelastet." Wo sie denn einen Fachmann auf diesem Gebiet finde, erkundigt sich die Verkäuferin.
Bei Bernhard Scholz wurde vor drei Jahren eine Arthritis psoriatica festgestellt. Die Entzündung betrifft hauptsächlich die kleinen Fingergelenke der rechten Hand. Dort sind die Nägel verfärbt und heben sich vom Nagelbett. Eine Bekannte habe ihm die bei ihr erfolgreiche Creme-PUVA empfohlen. "Ob das was bring?"
Ute Sonnleitner ist verzweifelt. An Händen und Füßen seien die Nägel völlig weg, berichtet die frühere Bankangestellte. "Zum Glück bin ich pensioniert. In dem Zustand könnte ich ja den Kunden am Schalter nicht unter die Augen treten." Die 66-jährige hatte äußerlich allerlei versucht und Neotigason® geschluckt. Ohne Erfolg, nur mit Nebenwirkungen, sagt sie. Jetzt habe ihr der Arzt als letztes Mittel eine Röntgenweichstrahl-Behandlung vorgeschlagen. Das sind drei von unzähligen Fällen, in denen sich Betroffene an unsere Redaktion wenden. Jede oder jederhat andere Fragen: Steckt tatsächlich eine Schuppenflechte dahinter? Kann es "nur" oder zusätzlich ein Pilzbefall sein? Wirken Tabletten besser als Salben oder Tinkturen? Was gibt es außer Medikamenten? Wachsen zerstörte Nägel wieder nach?
Verbreitet und vielgestaltig
Die Hälfte der Psoriasis-Patienten, so wird geschätzt, hat Nagelveränderungen. Bei Gelenkbeteiligung und langer Krankheitsdauer sind es über 80 Prozent. Gewöhnlich findet man gleichzeitig weitere Anzeichen der Schuppenflechte. Ausnahmsweise kann sie sich jedoch auch auf die Nägel beschränken.
Dass es nicht schön aussieht, ist schlimm genug, zumal für jene, denen beruflich auf die Finger geschaut wird. Zudem bietet eine mehr oder weniger zerstörte Nagelplatte den von Blutgefäßen und Nerven durchzogenen Finger- bzw. Zehenkuppen keinen ausreichenden Schutz. Das beeinträchtigt den täglichen Gebrauch von Händen und/oder Füßen. Nicht selten wird über Schmerzen bei körperlicher Aktivität oder sogar in Ruhe geklagt.
Woher kommt was?
Die typischen Krankheitsvorgänge in der Nagelmatrix stören die Verhornung. Noch kernhaltige Zellen sind dann an der Oberfläche der Nagelplatte lediglich locker miteinander verbunden. Lösen sie sich heraus, bleiben an diesen Stellen die "Tüpfel" genannten Grübchen (engl. pits). Die bis zu stecknadelkopfgroßen Einsenkungen "zieren" im Allgemeinen regellos verstreut mehrere Nägel, bevorzugt an den Fingern. Ebenfalls auf einer Schädigung der Matrix beruhen Quer- und Längsrillen sowie Weißfärbungen der Nagelplatte.
Diese „Ölflecken" wandern mit dem Wachstum des Nagels. Erreichen sie dessen vorderen oder seitlichen Rand, dringt Luft in diesen Bereich, der dadurch weißlich erscheint. Je nach Schwere des Befalls kann sich die Nagelplatte teilweise oder ganz von der Unterlage ablösen.
„Krümelnägel" entstehen, wenn über längere Zeit die hochgradig betroffene Matrix überstürzt bloß locker aneinander haftende Hornmassen produziert. Diese finden im gleichermaßen erfassten Nagelbett keinen Halt und werden nach oben gedrückt, was die Nägel bröckelig zerfallen lässt.
Häufig ist zugleich die unmittelbare Umgebung gerötet und geschwollen. Eine solche Entzündung des Hautwalls, der die Hornplatte hinten und seitlich im Nagelfalz bedeckt, wird vor allem in Verbindung mit Arthritis psoriatica beobachtet. Dabei fehlt meist das Nagel-häutchen. Eine zum Glück seltene Sonderform der pustulösen Psoriasis mit Eiterbläschen an den Endgliedern der Finger und Zehen führt oft zu vollständigem Verlust der Nägel. Er ist mitunter nicht mehr rückgängig zu machen, denn die rasch um sich greifende Entzündung kann Vernarbung und Knochenschwund hinterlassen. Sonst erneuern sich dagegen selbst massiv entstellte Nägel nach wirksamer Therapie wieder.
Pilze suchen
Fast zehn Millionen Deutsche, das ergab eine kürzlich veröffentlichte Erhebung, leiden unter Nagelpilz. Das Erscheinungsbild kann dem bei Schuppenflechte zum Verwechseln ähnlich sein. Da diese üblicherweise mehrere Nägel einbezieht, wird für Veränderungen an einzelnen Fingern oder Zehen unbedingt eine Pilzkultur empfohlen.
Am sichersten gelingt der Nachweis im Gewebe, das mit einer Hohlnadelstanze entnommen wurde. Sobald der Patient etwas spürt, ist sie tief genug durch die Nagelplatte gedrungen. Der kaum schmerzhafte Eingriff kann obendrein klären, ob sich Pilze erst nachträglich angesiedelt haben. Eine solche die Psoriasis erschwerende Infektion muss gezielt behandelt werden.
Vorsorge und Pflege
Grundsätzlich sollten anfällige Menschen alles vermeiden, was die Psoriasis-Bereitschaft an den Nägeln herausfordert. Dazu gehören etwa aggressive Putzmittel oder die Finger stark beanspruchende Tätigkeiten wie Gartenarbeit. Hier sind zumindest feste Handschuhe ratsam. Weiche und genügend weite Schuhe setzen die Zehen nicht unter Druck. Hautklinik Hamburg auf den im doppelten Sinn glänzenden Schutz durch regelmäßig aufgetragenen Nagellack hin.
Nägel, die behutsam möglichst kurz geschnitten und gefeilt werden, sind weniger verletzlich. Außerdem sollte man sie einschließlich der umgebenden Haut vorsorglich einfetten. Hand-und Fußbäder können die eigentliche Therapie unterstützen. Bewährt hat es sich beispielsweise, eine Tasse Stassfurter Badesalz in einem Liter Wasser aufzulösen. Teerbäder, für die man eine erbsengroße Menge Berniter® Kopfhautgel in Wenn aus anderen Gründen innerlich behandelt werden muss, bessern sich meist auch die Nägel 200 ml warmes Wasser gibt, wirken ihrerseits bereits gegen die krankhafte Störung.
Tarnung und Verschluss
Als vorwiegend kosmetisches Problem bedürfen Tüpfelnägel und psoriatische Ölflecken in der Regel keiner Behandlung. Man kann sie einfach mit Nagellack überpinseln. Eine verdickte oder von Rillen entstellte Nageloberfläche wird erst glatt geschliffen. Schließlich lässt sich, was man nicht vorzeigen möchte, unter künstlichen Nägeln verstecken.
Ein durchsichtiges Nagelpflaster, das als Medizinprodukt (Zalain®) auf Rezept erstattungsfähig ist, gleicht kleinere Unebenheiten aus und kann ebenfalls mit Nagellack überzogen werden. Aufgrund seiner festen Haftung schränkt es im Alltag, zum Beispiel beim Waschen oder Spülen, nicht ein. Einmal wöchentlich klebt man ein neues Pflaster auf die Nagelplatte, das sie luftdicht verschließt (lat. occludere). So können Wasser und Fette nicht mehr ungehindert entweichen. Eine solche Okklusion normalisiert das Milieu in den geschädigten Bezirken von Nagelplatte, Nagelbett und Matrix-Abschnitt unter dem Nagelmond. Derart fördert die Pflasterbehandlung das Nachwachsen eines gesunden Nagels. Dies dauert allerdings mindestens ein halbes Jahr.
Medikamente vor Ort
Die zur äußerlichen Hautbehandlung verfügbaren Substanzen werden in ihrer Wirksamkeit dadurch begrenzt, dass man sie nicht direkt auf die Psoriasis-Herde unter und hinter der Hornplatte auftragen kann. Am ehesten zugänglich sind Veränderungen mit Ablösung im vorderen Nagelbereich. Positive Erfahrungen von Ärzten und Patienten, teilweise in klinische Studien bestätigt, liegen für einige Mittel vor. Stets muss man sie länger als zwei Monate anwenden.
Bestrahlungen
Mit einem Spezialgerät (z. B. dermalight® bluepoint) kann man große Mengen UV-Licht punktgenau auf die erkrankten Nagelbezirke leiten. Die Therapie sollte täglich in steigender Dosis und wenigstens vier bis sechs Wochen erfolgen. Die heute üblichen Klinikaufenthalte sind also dafür zu kurz, ambulante Termine nicht immer mit Familie und Beruf zu vereinbaren. Manche gesetzliche Krankenkassen lassen sich deshalb überzeugen, dass sie in begründeten Einzelfällen den Punktstrahler zur Heimbehandlung bezahlen. Längerwelliges Licht dringt leichter durch die Nagelplatte als UVB. Damit es gegen Psoriasis wirkt, werden die Zellen vorher mit Psoralen (Meladinine®) für UVA-Strahlen empfindlich gemacht, im Badewasser gelöst, auf die Nägel gepinselt oder in einer Creme aufgetragen. Diese PUVA-Therapie ist der Arztpraxis oder Klinik vorbehalten.
Falls auf andere Weise eine hartnäckige Nagelpsoriasis nicht zu beeinflussen ist, verspricht die Behandlung mit weichen Röntgenstrahlen noch Besserung. Die Methode verlangt freilich Vorsicht. Bei zu hohen Dosen können bleibende Schäden die Folge sein.
Nagelprobe von innen
Wer Methotrexat (z. B. Lantarel®) wegen Arthritis psoriatica einnimmt, hat gute Chancen, dass die damit häufig verbundenen Nagelveränderungen zurückgehen oder verschwinden. Desgleichen wurde als erwünschte Nebenwirkung von Neotigason®, Sandimmun® und Fumaderm® bei der innerlichen Therapie hochgradiger Hauterscheinungen beobachtet.
Wahrscheinlich ist dies für alle über den Blutkreislauf verteilten Medikamente zu erwarten, ohne dass in klinischen Prüfungen darauf geachtet wird. Der Psoriasis Area and Severity Index (PASI), mit dem man dabei die Ausdehnung und Schwere der Schuppenflechte bestimmt, berücksichtigt nämlich den Nagelbefund nicht. Wenn er massiv ist und sämtliche Nägel ruiniert, kann allein dies Tabletten oder Spritzen rechtfertigen - trotz der größeren Risiken einer solchen systemischen Therapie.