PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

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Artikel aus PSO aktuell Heft 1/05

 

 

Örtliche Behandlung

Dithranol: Alt, aber gut

Seit 1916 haben Millionen von Psoriasis-Patienten den auch als Anthralin® oder Cignolin® bekannten Wirkstoff erprobt. Er ist oft neueren Mitteln zur äußerlichen Therapie mindestens gleichwertig. Der Umgang damit muss zwar gelernt werden, aber vereinfachte Anwendungsarten bieten eine preiswerte Alternative.

 

Dithranol: Alt, aber gutVor vielen Jahren, erinnert sich Prof. Hans Meffert, „gab mir Dr. Helmut Feustel aus Miltitz bei Leipzig ein modifiziertes Sonnenblumenöl.” Auf Anregung eines Hautarztes sei es in der Firma, für die dieser „ausgefuchste Kosmetik-Chemiker” damals tätig war, derart verändert worden, dass man es mit Wasser abspülen konnte. Die überlassene Probe überzeugte den Dermatologen nicht nur als Reinigungsmittel für verschmutzte und stinkende Hände nach der Autoreparatur oder dem Abschuppen von Fisch. Er benutzte das abwaschbare Öl zudem für eine Rezeptur mit dem fettlöslichen Dithranol, das darin ziemlich „einfach zu stabilisieren” war.

 

ÜBER DIE ERFAHRUNGEN mit dieser Form der Dithranoltherapie des behaarten Kopfes bei Psoriasis vulgaris hatten Hans Meffert und Mitarbeiter in einer Fachzeitschrift berichtet (Dermatol. Monatsschr. 165, 224-225; 1979). Die einst sehr beliebte Zubereitung sei dann nahezu in Vergessenheit geraten gewesen. Bis sich an der Hautklinik der Berliner Charité ein aus Bayern stammender

Arzt darüber gewundert habe, dass einige Patienten ebenso wie medizinisches Personal hartnäckig das Dithranol- Waschöl wünschten. Priv.-Doz. Norbert Haas prüfte es daraufhin im Vergleich zu modernen Präparaten. Dabei zeigte sich die mit der DDR schon beinahe „abgewickelte” Mischung sogar der Konkurrenz überlegen (vgl. PSO aktuell 2/2004, S. 4).

 

FÜR DIE BEHANDLUNG des Haarbodens, so erläutert Meffert, wird Dithranol in das heute von der PaCos GmbH in Halle/Saale hergestellte Silix-Waschöl N® eingearbeitet. Es sei als registriertes Arzneimittel zur äußerlichen Anwendung preiswert und mit Wasser auswaschbar. Dithranol bleibt entweder über Nacht auf der Kopfhaut, oder man entfernt es nach etwa fünf Minuten mit blankem Wasser, dem man erforderlichenfalls einige Tropfen Shampoo zusetzen kann. Zum Auftragen der Dithranol-Lösung auf die befallene Haut zieht man einen Gummihandschuh über. Um das Gesicht vor eventuell herabfließender Flüssigkeit zu schützen, wird erst eine Stirnbinde angelegt.

Für andere Anwendungsbereiche verschreibt Prof. Meffert eine abwaschbare Dithranol-Salbe. Standardisierte Anweisungen führt dazu das Neue Rezeptur Formularium (NRF) auf.

Bei der Niedrigdosen-Therapie werden Konzentrationen von 0,05 bis 0,1 Prozent einmal täglich mit Gummihandschuh / -fingerling oder Kinderzahnbürste aufgetragen. In dieser geringen Menge reizt Dithranol meist weder die Haut noch verfärbt es die Wäsche.

Die Kurzkontakt-Therapie beruht darauf, dass Dithranol in die Psoriasis-Herde rascher eindringt als in die gesunden Haut. So ist am Ort, wo es wirken soll, bereits genügend vorhandenen, wenn wesentlich höhere Dosen (0,5 bis 2 Prozent) bald wieder durch Wasser inaktiviert werden. Aus praktischen Gründen behandelt man die erkrankten Stellen abschnittsweise von unten nach oben, also beginnend an den Füßen, dann Beine, Arme, Körperstamm. Nach jeweils einer Minute wird die in der üblichen Weise aufgetragene Salbe abgeduscht. Reibende Handbewegungen unterstützen das Entschärfen des Wirkstoffs. Die gesunde Haut schont dieses Vorgehen ebenfalls.

 

DIE NIEDRIGDOSEN- und Kurzkontakt-Therapie bevorzugen erfahrene Hautärzte wie Prof. Meffert gegenüber der „klassischen” Behandlungsmethode, bei der langsam gesteigerte Konzentrationen von Dithranol in Vaseline verabreicht werden. Auch das Fertigpräparat Micanol®, bei dem die Wirksubstanz durch das Einmassieren nur in den krankhaften Hautveränderungen freigesetzt wird, führt kaum zu Reizungen oder Braunfärbung. Ausführlich wurde diese Form der Dithranol-Anwendung in PSO aktuell 3/2000, S. 26-27 vorgestellt.

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