Artikel aus PSO aktuell Heft 1/06
Gesunde und hübsch aussehende Fingernägel – wer wünscht sich das nicht? Hände und Fingernägel stechen dem Gegenüber meist als Erstes ins Auge. Doch was tun, wenn die Behandlungen nicht anschlagen und die Schuppenflechte an den Fingernägeln deutlich zu sehen ist? Dann kann eine Kosmetikerin so genannte Gelnägel anfertigen. Sie können den Fingernägeln wieder zu einem gesunden Aussehen verhelfen.
Von Schuppenflechte befallene Finger- oder Fußnägel können unterschiedlich stark geschädigt sein: Sie sind bröckelig, brüchig, verdickt oder heben sich vom Nagelbett ab, auch können sich kleine Einschlüsse und Löcher bilden, so genannte Tüpfel, oder „Ölflecken“, das sind fleckige gelbbraune bis rötliche Verfärbungen. Solche kaputten Nägel sind nicht nur ein medizinisches Problem, vor allem, weil sie zusätzlich anfällig für Nagelpilz sind, sondern viele Betroffene empfinden sie als extrem störend. Denn Hände lassen sich kaum verbergen und unansehnliche Nägel sind ein schlechtes Aushängeschild. Da können zum Beispiel Gelnägel helfen, wie Frau Carola Heyer berichtet. Sie ist Kosmetikerin, medizinische Fußpflegerin (Chiropodistin) und Spezialistin für Nageldesign (Nagelmodellage).
Die „Kunstnagel-Ära“ begann schon vor etwa 15 Jahren, und die Gelnägel gibt es seit mindestens acht Jahren. Frau Heyer hat seit inzwischen zwei Jahren damit Erfahrungen und behandelt kosmetisch vor allem geschädigte Nägel bei Patienten mit Psoriasis. Aber auch bei anderen Nagelschädigungen, sei es durch Krankheiten oder andere Einflüsse, können Gelnägel eingesetzt werden.
ERFOLGREICH IST DIESE METHODE zum Beispiel auch bei Patienten, die an den Nägeln knabbern. Auch gespaltene Nägel, die immer wieder einreißen, lassen sich mit dem Gel sehr gut stabilisieren.
Die Anwendung von Gelnägeln ist bei der Psoriasis medizinisch nicht notwendig, hat also keine therapeutischen Effekte, die Schuppenflechte bleibt darunter unbeeinflusst. Aber wenn die Patienten psychisch unter ihren unschönen Händen leiden, dann können die künstlichen Nägel eine echte Hilfe sein. Wichtig ist, dass zunächst ein erfahrener Dermatologe beurteilt, ob die Nägel des jeweiligen Patienten für Gelnägel geeignet sind und auch den Erfolg kontrolliert. Der Arzt muss auch unbedingt eine eventuelle Pilzerkrankung des Nagels ausschließen, notfalls muss vorher eine entsprechende Behandlung erfolgen . Ein weiteres entscheidendes Kriterium ist die Beschaffenheit der Nägel. Denn sehr dicke brüchige Nägel eignen sich wenig für eine solche Behandlung. Bei getüpfelten, fleckigen oder rissigen Nägeln ist sie dagegen erfolgversprechend. Erst wenn der Hautarzt Gelnägel empfohlen hat, kann der Patient sich an die Kosmetikerin wenden. Es handelt sich also um eine Empfehlung, aber keine Verordnung, die Kosten für die Leistung werden auch nicht von der Krankenkasse übernommen. Sie belaufen sich für die Behandlung aller Nägel beider Hände auf etwa 170 Euro insgesamt einschließlich des notwendigen Materials.
Die Gelnägel sind im Allgemeinen gut verträglich, medizinische Komplikationen treten selten auf. Gelegentlich können sich die Nägel auch einmal von selbst ablösen. Sie lassen sich dann aber problemlos erneuern.
WIE FUNKTIONIERT’S? Die Kosmetikern Carola Heyer erklärt, wie ein Gelnagel hergestellt wird: Das Gel besteht aus weichem, lichthärtendem Material, das mit einem Pinsel auf den vorbereiteten Nagel – das heißt, er muss aufgeraut, desinfiziert und mit einem Haftgrund versehen werden – aufmodelliert wird. Das Gel härtet in einem speziellen kleinen Hand-UVGerät, das von den verschiedenen Gel-Herstellern angeboten wird. Unter der etwa zweiminütigen Lichteinwirkung beginnen die Moleküle im Gel zu schwingen, wodurch die Härtung in Gang gesetzt wird.
Nach der Lichthärtung wird der Nagel dann mit der Feile in Form gebracht. Danach wird weiteres Gel aufgetragen und der Vorgang mehrmals wiederholt. So entsteht über dem geschädigten Nagel ein künstlicher Nagel.
Diese Gelnägel sind ausgesprochen strapazierfähig und halten auch groben Tätigkeiten wie Gartenarbeit stand und verkratzen nicht.
DA DER NAGEL WÄCHST, muss die Gelmasse an der Nagelwurzel alle vier bis sechs Wochen wieder aufgefüllt und kosmetisch überarbeitet werden. Damit ist der künstliche Nagel praktisch unverwüstbar. Kritiker sehen aber gerade darin auch einen Nachteil: Denn sollte der Gelnagel irgendwann unerwünscht sein, muss man ihn erst herauswachsen lassen, um ihn loszuwerden. Für Akutfälle, wenn der Nagel zum Beispiel aus medizinischen Gründen rasch entfernt werden müsste, gibt es allerdings auch ein spezielles Lösungsmittel.
Auf vielen Internetseiten werden Gelnägel zum selber anbringen angeboten. Davon rät Frau Heyer stark ab, denn selbst ausgebildete Kosmetiker, Nagelspezialisten und Fußpfleger benötigen noch einen gesonderten Kurs, um fachgerecht Gelnägel aufbauen und pflegen zu können.
© PSO aktuell 2006