Artikel aus PSO aktuell Heft 2/06
Vor 25 Jahren war erstmals die Rede von Brottrunk, einem probiotischen Gärgetränk, das zur Darmsanierung eingesetzt wird. Anlässlich des Jubiläums haben wir nachgefragt, ob inzwischen wissenschaftliche Daten seine Wirksamkeit bei Schuppenflechte belegen.
Ursprünglich kommt die Idee, Brot zu vergären, aus Russland. Dort enthält das Gärgetränk Alkohol. Hierzulande wird Brottrunk milchsauer, also ohne Alkoholentwicklung hergestellt. Brottrunk schmeckt daher nicht etwa nach Brot, wie der Name glauben macht, sondern hat einen charakteristischen sauren Geschmack.
VOR 25 JAHREN stellte der Bäckermeister Wilhelm Kanne erstmals den von ihm entwickelten „Kanne Brottrunk“ vor. Um den Brottrunk herzustellen, produzierte Kanne zunächst ein spezielles Brot aus Weizen, Roggen, Hafer, Wasser, Salz und hauseigenem Sauerteig. Dann zerschnitt er das Brot, versetzte es mit Quellwasser und ließ es einige Monate lang gären. Anschließend filterte er den Brottrunk ab. Bei diesem inzwischen patentierten Prozess entstehen große Mengen lebender Milchsäurebakterien (pro 200 ml-Glas ca. 300 Millionen) und sehr viele Hefezellen.
DIESE BAKTERIEN UND HEFEN sind für die Erhaltung einer gesunden Darmflora erforderlich. Dass die Darmflora gut funktioniert, ist deshalb so wichtig, weil sie einen maßgeblichen Bestandteil des Immunsystems darstellt. Etwa 80 Prozent des körpereigenen Abwehrsystems befinden sich im Darm. Wie bei Allergien oder Asthma steht auch bei der Psoriasis eine gestörte Darmflora im Verdacht, die Erkrankung zu fördern.
Die Zufuhr von Milchsäurebakterien soll helfen, den richtigen Säuregrad im Darm wiederherzustellen.
EINIGES SPRICHT DAFÜR, dass Brottrunk die Darmflora saniert und somit zu einer Stärkung des Immunsystems beiträgt. Ob diese Wirkung bei Hauterkrankungen wie Psoriasis eine Besserung herbeiführt, ist bislang nicht bewiesen. Eine Anwendungsbeobachtung an 41 Psoriasispatienten, die auf Initiative von Herrn Kanne sen. durchgeführt wurde, klingen viel versprechend, doch die Wirksamkeit von Brottrunk können sie nicht eindeutig belegen. Zum Beispiel wird nicht klar, ob die positiven Ergebnisse auf den Brottrunk alleine oder auf die in der Studie geforderte Ernährungsumstellung zurückzuführen sind. Eine Plazebogruppe gab es nämlich nicht. Die teilnehmenden Patienten hatten überwiegend Psoriasis mit Ganzkörperbeteiligung. Sie tranken ein Jahr lang dreimal täglich 200 ml Brottrunk und hielten eine Diät ein. Diese schloss Schweinefleisch, Industriezucker und Fertigprodukte aus und verbot bestimmte Gemüsesorten (Tomaten, Sellerie, Bohnen) und manche Obstsorten (Zitrusfrüchte, Erdbeeren und Dörrobst). Zudem war nur milder Käse erlaubt, sowie Kräutertee, reiner Fruchtsaft, Brottrunk und Mineralwasser.
Nach Angaben der Untersucher hatten 95 Prozent der Teilnehmer vor der Brottrunkbehandlung eine krankhafte Darmflora, die sich im Verlauf der Studie gebessert habe. Nach einem Jahr sei bei den meisten Patienten (91 Prozent) auch eine Besserung des Hautzustandes eingetreten. Das Allgemeinbefinden sowie der Gesundheitszustand habe sich bei der Mehrheit der Patienten ebenfalls gebessert. Rückfälle wurden auf Antibiotikaeinnahme und mangelnde Therapietreue zurückgeführt.
© PSO aktuell 2006