PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

 

 

 

Abwechslungsreiche Diät bei Psoriasis

Niels Carstensen, Günther Schäfer, Monika Brennecke

Trias 2002 
176 Seiten

 

Die Presseinformation ließ aufhorchen: „Umstellung der Ernährung – ein Schritt zur Besserung.“ Dass man die Schuppenflechte „mit gezielter Diät“ lindern könne, spricht die Hoffnung vieler Betroffener an. Schlägt man dann diesen Ratgeber auf, präsentiert er sich überwiegend als bunt bebildertes Kochbuch. Das steht ja auch schon auf dem Umschlag: „134 Seiten köstliche Rezepte.“

 

Wer nicht gleich in die Küche gehen, sondern erst erfahren möchte, was sich dort künftig ändern soll, stößt nach kurzen Auskünften zur Krankheit und ihrer Behandlung auf das Kapitel „Grundlagen der Psoriasis-Diät“. Bevor es jedoch zur Sache kommt, wird darauf eingegangen, warum bislang keine „breit angelegten wissenschaftlichen Studien ... unwiderlegbare Nachweise liefern“. Solche Erhebungen, heißt es, erforderten finanzielle Mittel, die „niemand zur Verfügung zu stellen bereit ist.“ Außerdem seien die schulmedizinischen Wirksamkeitsprüfungen kaum durchführbar.

 

Natürlich scheidet der bei Arzneimitteln übliche Vergleich mit Placebo aus, da die Kontrollgruppe nicht bloß zum Schein essen und trinken kann. Wenn aber ein Teil der Patienten bestimmte Diätempfehlungen befolgt, ein anderer nicht, ließen sich die Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf nach einheitlichen Kriterien erfassen und blind, also ohne Kenntnis der unterschiedlichen Ernährung bewerten.

 

Willkürliche Vermutung

Für derartige Untersuchungen fehlt nicht nur Geld, sondern meist auch eine einleuchtende Annahme zum möglichen Nutzen oder Schaden der Veränderungen, die getestet werden sollen. Die „Richtlinien nach Dr. Schäfer“ sind da keine Ausnahme. Was das vorliegende Buch „schmackhaft machen“ will, beruht auf der Vermutung, dass die vor allem in Knospen oder Samen gewisser Pflanzen vorkommenden ätherischen Öle über die Haut ausgeschieden werden und diese reizen. So könnten „manche der Verbindungen offenbar ...zu Juckreiz führen und die Psoriasis verschlimmern.“ 

 

Schäfer und seine Mitautoren, ein journalistisch tätiger Biologe und eine Ökotrophologin, halten sich nicht mit Begründungen auf. Der niedergelassene Arzt glaubte, an sich selbst einen negativen Einfluss einiger Speisen und Getränke auf den Hautzustand beobachtet zu haben. Dies betraf Gewürze wie Pfeffer, Muskatnuss, Nelken oder Zimt, Hasel-, Wal- und Erdnüsse, Schalen der Zitrusfrüchte und aus Weintrauben hergestellte Alkoholika. Später wurde die Liste ergänzt um Edelschimmelkäse, z. B. Camembert. Die daraus abgeleiteten Tabellen verbotener/erlaubter Lebensmittel hätten mittlerweile „mehrere tausend“ Leidensgenossen als „Beitrag zur Selbsthilfe angenommen.“ 

 

Schäfer sichert sich freilich im Vorwort durch den Hinweis ab: „Nicht alles, was im Allgemeinen zu den Provokatoren gezählt wird, gilt für alle Betroffenen.“ Man solle, rät er, zunächst die von ihm aufgestellten Regeln strikt einhalten. Nach einer Weile könne man probeweise das eine oder andere wieder hinzufügen, um die Unverträglichkeit für sich zu bestätigen oder auszuschließen.

 

Unnötige Einschränkung

Mag dies als Absage an dogmatische Heilslehren zu loben sein, so verrät es doch, wie schwach fundiert die Vorschläge sind. Es gibt weder nachvollziehbare Gemeinsamkeiten der „Problemstoffe“, auf die ihre ungünstige Wirkung zurückzuführen wäre, noch verlässliche Angaben zur Wahrscheinlichkeit solcher Reaktionen. Der wie eine Entschuldigung zitierte Satz „Jeder hat seine eigene Psoriasis“ bedeutet ja keineswegs, dass etwa ein Medikament oder die UVB-Bestrahlung nicht mindestens 50 oder 70 Prozent der so Behandelten hilft.

 

Schäfer sei ein „Meister der kritisch konstruktiven Erfahrungsmedizin“, schreibt Prof. Joachim Barth in seiner Anmerkung „zu diesem Buch“, dem der Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Psoriasis Bundes (DPB) eine „weite Verbreitung“ wünscht. Die Patientenorganisation erscheint sogar auf dem Einband als Mitherausgeber. Und der Verlag scheut sich ebenso wenig wie die Verfasser, die Aufgeschlossenheit „ganzheitlich orientierter“ Ärzte für Ernährungsfragen unter anderem mit dem Beispiel der Kinesiologie zu illustrieren. Diese „Alternativmethode“ behauptet, Allergien und andere Unverträglichkeiten anhand der veränderten Muskelspannung zu erkennen. Das sieht die Arbeitsgruppe „Komplementärmedizin“ der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie durch eine Hamburger Doppelblindstudie als widerlegt an.

 

Dass die acht theoretischen Seiten nicht schlüssig beantworten, warum der Verzicht auf die mutmaßlichen Auslöser in der Nahrung lohnt, braucht niemanden vom praktischen Versuch abzuhalten. Das durch Wort und Bild bestärkte Gefühl, etwas zu tun, das sich „im Laufe von über zwei Jahrzehnten“ bewährt habe, verleiht den Rezepten vielleicht eine symbolische Bedeutung, die den Gesundheitszustand im erwarteten Sinne beeinflussen kann. In jedem Fall vorteilhaft ist die trotz der geforderten Einschränkungen gewährleistete vollwertige Kost mit viel Obst und frischem Gemüse. Der heute grundsätzlich befürwortete hohe Gehalt an Omega-3-Fettsäuren wird freilich durch das Verbot von Fischkonserven und Nüssen erschwert. 

 

Aus PSOaktuell Dezember 2002

 

 

 

 

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