PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

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Darm mit Charme
Alles über ein unterschätztes Organ

Giulia Enders

Ullstein Buchverlage, 2014

288 Seiten

ISBN: 978-3550080418

 

Unser im September 2014 zugesandtes Rezensionsexemplar stammte schon aus der 23. Auflage des im März erschienenen Buches. Nach vier Monaten meldete der Verlag, eine halbe Million Bücher seien gedruckt, die Rechte für 18 Länder vergeben. Es lohnte sich also, dass der Medizinstudentin 2012 angeboten worden war, aus ihrem beim Science- Slam in Freiburg, Berlin und Karlsruhe mit dem 1. Preis belohnten Vortrag ein Buch zu machen. Das 288-seitige Paperback wurde sofort zum „SPIEGEL-Bestseller“, und dieses rote Etikett lockt seitdem auf dem Umschlag neue Käufer, unterstützt von einem Foto der mädchenhaft lächelnden Autorin (Jahrgang 1990), die ebenso ehrlich wie selbstbewusst im Vorwort verspricht: Auch ein gesunder Darm werde nicht jede Krankheit heilen, doch sie könne „in charmantem Ton erklären, wie es so läuft im Darm, was die Forschung Neues bietet …“

 

Auf ihr Thema stieß Giulia Enders, als sie mit 17 wegen Hautwunden vergeblich Hilfe bei Ärzten gesucht hatte. Zufällig hörte sie von ähnlichen Erscheinungen nach Antibiotika-Einnahme und bekam schließlich die Krankheit („es war wohl irgendwie Neurodermitis“) durch Selbstbehandlung des Darms „gut in den Griff.“ Das Erfolgserlebnis gab den Anstoß zum Studium der Medizin, wobei sie allerdings bald merkte, wie wenig dort der Einfluss des Darms auf Gesundheit und Wohlbefinden bisher beachtet wird. Umso faszinierender erschien das rasch wachsende Forschungsgebiet. Neben Recherchen in einer Internet-Datenbank kontaktierte die Wissbegierige fünf hochrangige Fachleute, von denen jedoch keiner geantwortet habe. So wurde sie eben auf eigene Faust zur Expertin, die freilich auch noch nicht in Lehrbüchern abgesegnete Erkenntnisse anderen Menschen nahe bringen will. Ihre Sprache wendet sich stets einem Gegenüber zu. Frei von akademischem Imponiergehabe und doch nie populistisch verfälschend, kann selbst über komplizierte Zusammenhänge unterhaltsam geplaudert werden.

 

Das fängt am Ende an: „Wie geht kacken?“ Dann beginnt es von vorn mit der „Eingangshalle zum Darmrohr“. Beim Blick in den Mund überrascht das 2006 entdeckte Opiorphin, ein Schmerzmittel im Speichel, dem sogar antidepressive Eigenschaften zugetraut werden. Die Inspektion des Immungewebes im Rachen zeigt, dass dauerhaft dort versteckte Bakterien „zum Beispiel Menschen mit Psoriasis“ schaden können, weshalb ihnen die operative Entfernung der Mandeln möglicherweise nützt. (siehe PSO aktuell 4/2013). Anschließend sind die Leser eingeladen zu einer anatomischen Erkundung des Verdauungsschlauches, der umso schöner werde, „je näher wir heranzoomen.“ Nach der Form wird auch die Funktion („Was wir wirklich essen“) genau betrachtet, bevor „Eine kleine Lektüre zum Kot“ das erste Kapitel beendet. Im nächsten Abschnitt können wir verfolgen, wie etwa ein Stück Torte „von der Gabel bis zum Häufchen“ gelangt, was passiert, wenn uns etwas sauer aufstößt, wir erbrechen müssen oder Verstopfung haben, um schließlich Einblick zu bekommen in die altbekannte, doch jetzt zunehmend wissenschaftlich aufgeklärte Verbindung zwischen Darm und Hirn.

 

Von der Gabel bis zum Häufchen

Der dritte und umfangreichste Teil lässt die Leser teilhaben an einer Entdeckungsreise in „Die Welt der Mikroben“. Zu der sei die Forschung gerade erst aufgebrochen. Seit 2007 arbeite man an einem Atlas all der Kleinstlebewesen, die jeden Menschen ganz individuell besiedeln. 99 Prozent davon befänden sich im Verdauungstrakt. Und weil das Immunsystem den Körper gegen Fremdes zu verteidigen habe, sitze es größtenteils ebenfalls im Darm. Hier finde „ein bakterielles Woodstock“ statt, bei dem die Abwehrzellen lernen könnten, in der Masse erwünschter Keime die gefährlichen Rowdys zu identifizieren und aus dem Verkehr zu ziehen.

 

Bakterielles Woodstock

Bis zu hundert Billionen Bakterien, so rechnet die „Darmführerin“ vor, beherbergt ein Erwachsener in seinem Bauch. Die wenigstens sind Übeltäter wie Salmonellen. Doch welche Rolle spielen all die anderen, und wie soll man erkennen, welche gut oder schlecht sind? Ein erster Schritt zur Beantwortung dieser Frage könnte die 2011 erfolgte Zuordnung der Enterotypen nach drei jeweils vorherrschenden Bakterienfamilien sein. Vor diesem Hintergrund wird diskutiert, ob und wie die winzigen Mitesser im Darm dick machen oder den Cholesterinspiegel verändern können. Und nach deutlichen Anmerkungen zu Antibiotika werden mit dem nötigen Vorbehalt die Verheißungen der als hilfreich eingestuften Probiotika abgewogen gegenüber Präbiotika – einem Essen, das die guten Bakterien fördert und damit der Gesundheit dient.

 

Aus PSOaktuell Dezember 2014

© Jürgen-Peter Stössel

 

 

 

 

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