PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte (Psoriasis)

DER RATGEBER BEI SCHUPPENFLECHTE

 

Aus PSO aktuell März 2008

 

 

Fumarsäureester - „Ich lasse mich nicht mehr mit fadenscheinigen Begründungen abspeisen!“

Wer schwere Schuppenflechte hat, kennt das alles: Erst probiert man es mit Salben, dann mit UV-Bestrahlung und erst zuletzt mit einer systemischen Therapie, die die Krankheit von innen her angreift. Das Problem an der Sache ist: Die innerliche Behandlung ist teurer als die meisten Salben. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass Ärzte die Verordnung mit dem Hinweis auf ihr beschränktes Budget verweigern. Wie so mancher Psoriatiker musste auch Melanie T. immer wieder dafür kämpfen, dass sie eine Behandlung bekommt, die ihre Schuppenflechte beseitigte. Der Kampf hat sich gelohnt, denn mit den Tabletten, die sie seit sechs Jahren bekommt, ist sie beschwerdefrei.

 

Wie die meisten ihrer Leidensgenossen bekam Melanie T., die seit elf Jahren an Schuppenflechte leidet, in den ersten Jahren ihrer Erkrankung Salben und Cremes vom Arzt verordnet. Der Erfolg ließ jedoch stark zu wünschen übrig. „Es gab keine Salbe, die wirklich richtig geholfen hätte, außer Kortison natürlich. Aber dabei wollte ich nicht bleiben“, erzählt die 31-Jährige.

 

In den vielen Jahren, in denen sie mit der Psoriasis leben musste, hat sich Melanie in ihrer Persönlichkeit sehr verändert. „Ich habe mich zurückgezogen. Vor allem Beziehungen zu Männern waren für mich ein schwieriges Thema. Ich wusste nie, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, die Hautkrankheit zu erwähnen. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Geschichte, da hatte ich dem jungen Mann nichts von der Schuppenflechte erzählt. Er ist dann sehr erschrocken, als er meine Haut unter dem Pulli angefasst hatte. Das wird mir ewig im Gedächtnis bleiben.“

 

Auch in ihrem Job als Reiseverkehrskauffrau bekam sie Probleme. Erst schickte sie ihr Arbeitgeber wochenlang in den Keller, um Kataloge zu sortieren. Dann gab es ärger, weil sie wegen der PUVA-Therapie, die sie bei einem Arzt in der nächsten größeren Stadt durchführen ließ, nicht pünktlich zur Arbeit kam. Schließlich wurde ihr die Stelle im Reisebüro gekündigt, weil die Hände von der Schuppenflechte betroffen waren.

In ihrer Verzweiflung ging Melanie T. dazu über, die Salben zu missbrauchen. „Ich habe mich nicht mehr an die ärztliche Verordnung gehalten, Kortisonsalben nur ganz dünn aufzutragen. Das ging soweit, dass ich das typische Mondgesicht bekommen habe. Ich sah aufgebläht aus.“

 

Nach der Kündigung begann Melanie erst einmal ein Studium. Ausprobiert hat sie auch alternative Heilmethoden und verschiedene Ernährungskonzepte – ohne Erfolg. Im letzten Jahr ihres Studiums verschrieb ihr ein Arzt Fumaderm®. Das sind Tabletten mit dem Wirkstoff Fumarsäureester. „Damit hat sich die Haut relativ schnell gebessert“, erinnert sich Melanie T. Fünf Jahre hat es also gedauert, bis sie eine wirksame Behandlung bekam. Dabei war sie „von Kopf bis Fuß betroffen, an den Haaransätzen, an der kompletten Kopfhaut, an den Armen, an den Beinen, am Bauch, am Rücken, einfach überall“.

 

Obwohl nun klar ist, dass ihr die Tabletten helfen und dass sie sie gut verträgt, musste Melanie so manches Mal darum betteln, dass ihr ein Arzt das Medikament verschreibt. Die Probleme fingen an, als sie in eine neue Stadt gezogen ist und sich deshalb einen neuen Hautarzt suchen musste. „Ich habe die Therapie zweimal unterbrochen, weil ich umgezogen bin und mein neuer Hautarzt mir die Tabletten nicht mehr verschreiben wollte. Ich weiß, dass die Tabletten nicht billig sind. Leider kam aber die Schuppenflechte in gleicher Intensität wie vor der Behandlung zurück.

 

Um Ausreden waren die Ärzte nicht verlegen: „Ich habe bestimmt mit fünf verschiedenen Hautärzten darüber diskutiert. Ein Arzt sagte mir einmal: Ich habe nur ein beschränktes Budget. Sie müssen verstehen, dass ich dieses Budget lieber für Patienten verwende, die todkrank sind und zum Beispiel Krebs haben.“

 

Natürlich war Melanie nicht begeistert von dieser Aussage. „Dazu kann ich nur sagen: Wenn ich stark von der Psoriasis betroffen bin, dann bin ich nicht voll arbeitsfähig. Das würde den Staat und die Krankenkasse viel mehr belasten. Das sollte man bei dieser Rechnung nicht vergessen.“

 

GANZ ZU SCHWEIGEN von der Lebensqualität, die sich durch die Tablettenbehandlung erheblich verbessert hat. „Die Schuppenflechte ist vollständig beseitigt, und das ist lebensverändernd. Jetzt kann ich endlich ein ganz normales Leben führen. Das ist mir sehr viel wert. Es geht einfach darum, dass man sich ganz normal ein T-Shirt anziehen oder schwimmen gehen kann, ohne dass einen gleich alle anstarren. In meinen Jugendjahren bin ich solchen Sachen einfach ferngeblieben“, erzählt Melanie. „Jetzt lasse ich mich nicht mehr mit fadenscheinigen Begründungen abspeisen. Ich würde jedem Patienten, der mit Salben nicht ausreichend behandelt ist, raten, seinen Arzt auf eine Tablettentherapie anzusprechen und eine Probebehandlung zu machen.“

Dr. Judith Neumaier

 

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